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Proud NRA Member

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  1. Die Schweizer hatten ungefähr zur gleichen Zeit wie die Amis und die Deutschen einen Bürger- oder Föderationskrieg, der die Stellung von Föderativgewalt und Föderationsmitgliedern nachhaltig veränderte. Was sich zwischen den drei Fällen, bei einem ähnlich gelagerten grundsätzlichen Problem, allerdings massiv unterscheidet, was das Ausmaß der Gewalt, und wann man es nach einem Kräftevergleich gut sein ließ und sich wieder -- unter jeweils veränderten Machtverhältnissen -- einigte. Knapp 100 Tote bei den einen, knapp 10'000 Tote bei den anderen, knapp eine Million Tote plus absichtlich in ganzen Landstrichen weitgehend vernichtete zivile Infrastruktur bei den Dritten, im Grunde für die Entscheidung derselben Frage. Also jeweils Faktor Hundert dazwischen.
  2. Und mit Ariernachweis auf fünf Generationen?
  3. Dass es geprüft wird, ist eigentlich sehr wünschenswert. Wenn das Resultat von zwei Minuten Prüfung ist, dass offensichtlich nichts gegen Dich vorliegt, umso besser.
  4. Und da sagen die Leute, die Amis seien bescheuert und in ungesunder Weise waffengeil??? Die Anzahl von Fällen, in denen so etwas einen praktischen Nutzen hatte, ist wohl gleich Null. Also bleiben zwei Möglichkeiten: 1. Sie machen es, weil sie hoffen, dass der Dummmichel sich sicherer fühlt, wenn er in eine Kanone guckt. 2. Sie machen es, weil sie hoffen, dass der Dummmichel die Klappe hält, wenn er in eine Kanone guckt.
  5. Mir fällt von all den recht vielen Ländern, die ich besuche, nur in Deutschland auf, dass da auf den Flughäfen Typen mit Maschinenpistolen rumlaufen, deren Läufe definitiv nicht nach Cooper #2 ausgerichtet sind. Ab und zu habe ich da auch schon einen instinktiven Sprung oder Schritt zur Seite gemacht, wenn's auf meine Eier gezeigt hat. Haben die eigentlich -- vorausgesetzt, die Dienstvorschriften werden beachtet, was ich schlecht überprüfen kann -- eine in der Kammer? Bei der Einreise nach Amerika über einen für mich ungewöhnlichen Flughafen fiel mir in Dulles auf, dass der arme Schreibtischarbeiter der Einwanderungsbehörde am Flughafen einen Plattenträger mit einem Pistolenmagazin und einem Gewehrmagazin dran trug, allerdings kein sichtbares IFAK dazu. Der zugehörige Karabiner wird unter dem Schreibtisch/Schalter sein, aber jedenfalls nicht am Mann mit Lauf auf umstehender Leute Genitalien gerichtet. Zum Einlesen von Dokumenten und Durchwinken eh im Voraus bekannter Leute scheint mir das eher unbequem zu sein.
  6. Könnte auch davon abhängen, ob man das rechtssicher oder lediglich spekulativ haben will. Wenn man nur Metadaten hat, dafür viele davon, weil man an ein paar Netzwerkknoten mitliest, dann könnte man z.B. einfach gewisse Muster von Größe und Zeitintervall zwischen IP-Paketen nehmen, und daraus mit einiger Sicherheit schlussfolgern, dass jemand einen gewissen Beitrag einer gewissen Größe gepostet hat. Den Beitrag selbst liest man dann einfach so wie alle anderen auch. Damit könnte man sogar im Wortsinne zutreffend behaupten, dass man keinerlei Inhalte abgehört oder protokolliert hat. So etwas würde vielleicht vor Gericht nicht als Beweis halten, aber es geht ja normalerweise auch nicht um eine wirklich Strafverfolgung. Das Problem bei all dem Kram ist natürlich, dass man wenn man das allgemein macht, eine unglaubliche Flut an Datenmüll erzeugt. Das Nadel/Heuhaufen-Problem lässt sich nicht durch die Schaffung unglaublich großer Heusilos lösen. Tatsächlich gefährliche Terroristen und Revoluzzer und auch Verräter zeichnen sich vor jedenfalls in Betreff Sicherheit der staatlichen Organisation harmlosen Einzelverwirrten ja gerade dadurch aus, dass sie so weit von der Norm oder einer Teilnorm nicht weg sind. Die RAF-Typen konnten nur deshalb machen, weil ihr saudummes Geseiere so auch von Hunderttausenden oder Millionen mitgeseiert wurde, die aber keine Morde behangen haben. Von Rainer Rupp war es bekannt, dass er hart links und mit gewissen Kommie-Sympathien war, als man ihn an die vertraulichsten Stellen der NATO ließ -- nicht bekannt war eben, dass er nicht nur sympathisierte, sondern verriet. Der hat sich nicht etwa als strammer Kommunistenhasser getarnt, was in Bezug auf herausgelassene Bemerkungen oder verzogene Minen wohl auch schwer all die Jahre durchzuhalten gewesen wäre. Hätte man bei dem seine Äußerungen analysiert, dann hätte man herausgefunden, was er eh allen gesagt hat: Dass er stramm links war. Ob man so jemanden vertraulichste Geheimsachen angucken lässt, ist eine andere Frage. Wenn man nur nur garantiert in jeder Hinsicht systemtreue Leute einstellt, dann läuft man eben die Gefahr nur noch Idioten und/oder Verängstigte zu haben.
  7. Radneuerfinder sind Erfinder. Innovateure dagegen sind eher Leute, die für bestehende Erfindungen erkennen, wie man die so zusammendengeln kann, dass der Massenmarkt sie mag. Das wiederum können Erfinder oft eher schlecht, denn zum Erfinden gehört oft eher eine gewisse theoretische Reinheit, die sich nicht darum kümmert, ob die Leute das haben wollen. Steve Wozniak und Steve Jobs wären da klassische Beispiele.
  8. Jemand, der das falsche Kraut geraucht hat. Die Brachialmethode (und die originale bei der Truppe), wenn Zuverlässigkeit über einfache Wartung und Änderung geht, ist Verstiften.
  9. Ich sage doch nicht, dass ich sie nicht befolge. Hinterfragen darf man sie schon. Sowohl im Rahmen normaler Gespräche wie auch, wenn man denn will, im Rahmen gesetzgeberischer Prozesse, vor Gericht, usw.
  10. War wohl jedenfalls als Versuch der Vermeidung von Zittern nicht unüblich. In einem alten Handbuch der US Armee zum Pistolenschießen steht drin, dass es wohl wahr sei, dass manche sehr guten Schützen ihre besten Leistungen betrunken bringen, aber man solle doch besser gesund essen und ausreichend schlafen...
  11. Es ist zu hinterfragen, weil eine dahinter stehende Logik so schwer zu erkennen ist, dass es nach Willkür riecht, um jemandem die WBK zu lochen, und Willkür ist im Rechtstaat eigentlich unerwünscht. Es ist ja nicht nur das Autofahren. Piloten, selbst Verkehrspiloten von Riesendingern, haben rechtlich gesehen eine Alkoholgrenze von 0,2‰ unter EU- und sogar 0,4‰ unter amerikanischen Regeln, obwohl die Amis mit Alkohol normal ziemlich puritanisch sind. (Fluglinien als Arbeitgeber können strengere Regeln haben, und ein Konsum um das nach der vorgeschriebenen Abkühlzeit als Restalkohol zu haben, wäre aus anderen Gründen wirklich nicht ratsam, aber diese Grenzen tun es rechtlich, ohne dass es Probleme damit gäbe.) Nun ist beim Autofahren eine sehr schnelle Reaktion auf undeutliche Signale wie Schemen einer Bewegung im peripheren Sehfeld gefragt, beim Fliegen eine Übung von Hand-Fuß-Augen-Koordination unter Täuschung des Gleichgewichtssinns und eine hohe Dichte kritischer Aufgaben. Dagegen ist sicheres Sportschießen und erst recht sicherer Transport von als entladen bestätigten Waffen im Prinzip mit einigem intus möglich. Auch wenn es ausreichend viele nicht hinbekommen, dass eine Regel nötig wird, dürfte jedenfalls eine erhebliche Mehrheit der Schützen in der Lage sein, Cooper 1-4 selbst im erheblichen Rausch einzuhalten. Es gibt auch bei den Amis keine Probleme mit einem Limit für das verdeckte Tragen in der Öffentlichkeit von 0,8‰. Das Ding bleibt eben im Holster, und gut ist. Da ist dann eine Anforderung wie "0 Promille", die als mathematisch exakt Null mit dem Leben unvereinbar ist, und die als 0.04‰ interpretiert auch durch den Konsum von Frühstücksbrötchen und Orangensaft erreicht werden kann, für eine im Prinzip ziemlich sichere und unkritische Tätigkeit schon bemerkenswert. Wenn man einem Piloten einer 747 schlimmstenfalls den Arbeitsvertrag kündigt, ihm aber nicht die Karte (oder in Europa, glaube ich, den Schein) locht, dann sollte man die Karte eines Sportschützen, der ein entladenes KK-Gewehr transportiert, wohl auch in Ruhe lassen. Alles andere wirkt danach, als ob es um willkürliches Lochen der Karte ginge.
  12. Das ist im modularen Konzept der Stoner-Kanonen eigentlich schon angelegt, muss nichts Schlechtes bedeuten. Meine Stoner-Kanonen sind großteils Eigenherstellung aus "Zukaufteilen." Sie laufen davon nicht schlechter. Würden sie besser laufen, wären sie in einer Bude zusammengedengelt, die schon von hundertfünfzig Jahren röhrende Hirsche in Flinten graviert hat?
  13. Mit solchen extrem hohen Katalogangaben sollte man arg vorsichtig sein. Das ist so wie bei Sonnencreme mit Sonnenschutzfaktor 100. Im Labor unter Idealbedingungen wird das schon stimmen, im richtigen Leben niemals. Die perfekte Abdichtung z.B. wird offensichtlich durch Haare, Brillenbügel, Verrutschen, usw. weniger dicht. Bei dem Gewehrschießen kommt dazu, dass wenn riesige Kapseln dem richtigen Anschlag im Weg sind, man diese Riesenkapseln mit einiger Wahrscheinlichkeit mit dem Gewehrschaft verschieben wird, und das war's dann definitiv mit den 30 dB. Einen objektiven, kalibrierten Sensor im eigenen Gehörgang unterzubringen und dann Messwerte verschiedener Modelle am eigenen Kopf, mit der eigenen Anwendung zu vergleichen, wird offensichtlich nicht praktikabel sein. Im Grunde bleibt da nur noch der subjektive Vergleich, aber der ist auch nicht perfekt, insbesondere wenn der subjektive Erwartungswert der Lautstärke durch Vergleich mit leiseren Alltagsgeräuschen bei aktivem Gehörschutz verändert wird. Bei mir: Sordin mit Gelpostern für fast alles. 3M Peltor TEP (Ohrstöpsel mit aktiver Rückverstärkung) für Zeug, wo eine halbe Stunde gerannt und geklettert und nicht so viel geschossen wird.
  14. Bei der Smartphoneindustrie ist das eben üblich, bei der Waffenindustrie nicht. Das hat damit zu tun, wie solche Produkte verkauft werden, insbesondere damit, wie schnell Inventar umgeschlagen wird. Dazu kommt: Möchtest Du Waffen, die zu kaufen Du Dir überlegst, mal in die Hand nehmen können? Wenn ja, dann bist Du logischerweise bei einem Händler, dessen Geschäftsmodell es ist, dass die Ware potentiellen Kunden in die Hand gegeben wird. Da kannst Du schlecht meckern, wenn sie schon mal jemand in der Hand hatte, der sie nicht unbedingt in der Hand haben musste. Bei mir sind meine Wünsche normalerweise spezifisch genug, dass ich etwas von einem reinen Versandhändler kommen lasse, an einen Waffenhändler vor Ort, der dann den Papierkram für den Transfer macht. Sollte auch in Deutschland möglich sein, oder nicht? Dabei kannst Du dann natürlich nicht meckern, dass Du es vorher nicht probehalber in die Hand nehmen durftest.
  15. Man sagt doch auch beschönigend "Wertstoffhof" obwohl von einer Auszahlung des "Wertes" keine Rede sein kann, sondern man für die Abgabe zahlen soll...
  16. Eine AG ist aber auch haftungsbeschränkt und man verliert schlimmstenfalls das eingebrachte Kapital, nicht das Leben.
  17. In diese Richtung gingen ja Ideen wie das Dreiklassenwahlrecht in Preußen usw. Nachdem sich aber wirklich überall "one man, one vote" durchgesetzt hat, dürfte es eher schwierig werden, das zurückzubringen. Der Staat beansprucht ja auch nicht "nur" Hab und Gut der Bürger, sondern auch deren Leben. Bei einem erheblichen Rückgriff auf die Wehrpflicht in Kämpfen mit erheblichen Verlusten wäre es irgendwie schwer erklärbar, dass nur diejenigen mit Geld ein politisches Mitspracherecht über die Sache haben sollen.
  18. Ich denke, der Begriff "Empathie" vermischt da zwei Dinge, die nicht miteinander zu tun haben: Das eine ist die Fähigkeit, mitzufühlen, beispielsweise das Leid anderer Leute (oder auch von Tieren) als eigenes zu fühlen. Das andere ist die Fähigkeit, anderer Leute Gefühlsausdrücke korrekt zu interpretieren und vorherzusagen. Der Soziopath muss, um seine Soziopathie überhaupt ausleben zu können, ziemlich gut darin sein, anderer Leute emotionale Bedürfnisse zu interpretieren. Sie interessieren ihn aber nur als Teil einer Strategie, seine eigenen Ziele zu erreichen. Beim Menschen im Autismusspektrum kann es sich umgekehrt verhalten. Der kann ein extrem herzensguter Mensch sein, der für alle da ist, die ihn um einen Gefallen fragen. Aber er kann emotionale Nuancen, die unausgesprochen bleiben, nicht korrekt interpretieren.
  19. Siehst Du, das meine ich. Niemand, absolut niemand, wird erfolgreich als Herzchirurg arbeiten, ohne das gelernt zu haben. (Mit viel Phantasie könnte man sich noch ausdenken, wie es jemand ohne Studium gelernt hat, sagen wir als inoffizielle Hilfskraft in einem Dauerbürgerkriegsland, in dem formale Ausbildung zum Erliegen gekommen ist, aber das wäre immer noch eine Art langwieriger Lehre.) Dass man als Hausarzt durchaus eine ganze Weile arbeiten kann, ohne es gelernt zu haben, wirft dann Fragen auf, in wieweit diese Tätigkeit wirklich etwas mit einer definierten Wissenschaft zu tun hat, ob man Studienplätze wirklich nach Abiturnoten vergeben sollte, ob ein Doktorgrad irgendeine Korrelation mit der Ausübung der Tätigkeit hat. In Amerika gibt's als eine Antwort auf diese Frage die Nurse Practitioners. Das ist eine Fortbildung von der -- in Amerika studierten -- Krankenschwester. Die dürfen unter der Aufsicht eines Arztes, der aber nicht vor Ort sein muss, selbständig übliche Hausarztsachen machen. Meine Erfahrungen mit denen sind gut, und ich denke, sie gehen oft systematischer vor als ein Arzt, eben weil bei ihnen jemand durch die Akten durchgeht und Fragen stellt, oder das jedenfalls soll. Wenn's exotischer wird, dann sind sie nicht in der Position des Hochstaplers, Kompetenz vortäuschen zu müssen, sondern es ist Teil ihres Berufsbilds, für tatsächlich eher wissenschaftliche Fragen einfach Rat einzuholen. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Wenn ich von einer Tätigkeit anzweifle, dass es sich um eine eigentlich Wissenschaft oder sonst einen spezialisierten Wissensbereich handelt, dann meine ich damit keineswegs, die Tätigkeit sei wertlos. Natürlich will ich z.B. einen guten Hausarzt haben, brauchen wir gute Verkäufer, usw. Was ich wohl anzweifle sind aus behaupteter Wissenschaftlichkeit erhobene Macht- und Geldansprüche, die eben umso absurder werden und vielleicht gerade deshalb umso häufiger erhoben werden, je weniger wissenschaftlich das angebliche Herrschaftswissen überhaupt ist.
  20. Sicher. Mir geht's gar nicht darum, ob er intelligent ist oder nicht. Ist er vermutlich mindestens einigermaßen. Mir geht es darum, dass er einen angeblich höchstqualifizierten Beruf ausüben konnte, ohne sofort als unfähig aufzufallen, obwohl seine Tätigkeit angeblich viele, viele Jahre eines Ausbildungsganges erfordert. Wenn man eine Tätigkeit ausüben kann, ohne sie (auf dem formalen Weg oder auch auf einem informalen, aber nicht weniger aufwändigen) gelernt zu haben, dann spricht das dafür, dass diese Tätigkeit nicht auf besonders spezialisierten Fähigkeiten beruht. Das heißt nicht, dass es jeder kann, dass es kein Talent dafür gibt, sondern es heißt, dass es sich nicht um ein abgegrenztes Wissensgebiet von einiger Tiefe und Breite handeln dürfte. Bei einem Kernphysiker würde es z.B. sofort auffallen, wenn der nicht einmal Abiturwissen Physik hätte. Bei einem Uhrmacher würde es sofort auffallen, wenn der noch nie eine Uhr zerlegt und zusammengebaut hätte. Bei einem Verkäufer hingegen gibt es so einen Zusammenhang weniger. Bei einem Politiker auch nicht -- da scheint der Mangel formaler Bildung irgendeiner Art sogar fast schon zur Regel zu werden. Das spricht dafür, dass Kernphysik und Uhrmacherei wohldefinierte Künste oder Wissenschaften sind, Verkauf und Politik dagegen nicht. Wenn nun jemand als Koryphäe der Psychiatrie Leute begutachten und Studenten unterrichten kann, obwohl er nie Psychiatrie gelernt hat, auch nicht Medizin oder Psychologie, dann spricht das dafür, dass deren theoretischer Unterbau eben keine wohldefinierte Wissenschaft ist.
  21. Mir ist der Unterschied schon klar, aber wenn jemand mit Hauptschulwissen Mathematik einen Beruf z.B. als Aktuar ausüben könnte, dann würde ich mir die Frage stellen, ob die dem Aktuarwesen zugrundeliegende Versicherungsmathematik nicht Scharlatanerie ist. Soweit braucht man gar nicht gehen. Es reicht, dass die Nichtzufälligkeit augenscheinlich mit anderen Dingen erklärt werden kann als dem behaupteten Effekt. Z.B. dass Annahmen, die in die Berechnung von p-Werten eingehen, nicht stimmen, insbesondere bezüglich Beeinflussung von Probanden, Unabhängigkeit verschiedener Beobachtungen, Wegwerfen von Negativergebnissen, und gelegentlich eben auch, wenn man etwas Veröffentlichungsdruck hat, schlicht Betrug. Der Zyniker in mir meint: Ist der p-Wert nicht so prall, denke ich an Zufall. Ist der p-Wert richtig geil, wie eben bei der Frau Gino regelmäßig, dann denke ich an andere Ursachen. Wenn's Dich tröstet: So sehe ich das nicht nur bei der Psychologie. Anlage"experten", die einem ihr geiles Alpha verkaufen wollen, z.B., sind aus nachvollziehbaren Gründen noch deutlich schlimmer. Die Medizin hat ähnliche Probleme, nicht nur in der "Alternativ"medizin, die offensichtlich Scharlatanerie betreibt, sondern auch bei eher begrenzt wirksamen Therapien, die theoretisch der "Schulmedizin" zugerechnet werden. Direkter Betrug dürfte bei Dingen wie Medikamentenzulassungen seltener sein, einfach weil mehr Leute daran beteiligt sind, aber Unterstützung des Absatzes wenig bis gar nicht wirksamer Medikamente durch Studien mit Publikationsbias z.B. ist wohl schon erheblich. Technischer ausgedrückt: Ich bin Bayesianer mit eher skeptischen A-priori-Annahmen.
  22. Also meine Sportarten: - Ich manipuliere den Stock zwischen meinen Beinen bis ich auf tausenden von Fuß zum Höhepunkt komme. Vorher überprüfe ich, dass genug Gleitmittel da ist. - Ich richte ein steifes Rohr auf ein Ziel und emittiere dann Geschosse, die vom Ziel aufgenommen werden. Am Rohr entsteht dabei eine schnelle Vor- und Zurückbewegung und ich tue immer gut Gleitmittel rein. - Ich mache Gleitmittel auf meine Latten, schwinge zwischen undulierend geformten Buckeln hin und her und mache dabei jedesmal einen Stockeinsatz. - Ich steige auf, anfänglich nur mit den Beinen, dann, wenn ich näher zum Höhepunkt komme, grapsche ich auch mit den Händen oder stecke meinen Stock rein, diese Sportart ohne Gleitmittel.
  23. "Anscheinende Skandale" ist gut. Es ist das ja nur die Spitze eines vielschichtigen Eisbergs. Ein Teil des Übels ist sicher das, was der Amis den "Physikneid" der Psychologie nennt. Das wird etwas geschaffen, das formal aussieht wie harte Wissenschaft, mit einem Zitationsapparat, der suggeriert, man baue aufeinander auf, mit p-Werten und frequentistischer Statistik, die suggerieren, Ergebnisse seien "signifikant". Das wird noch dadurch verstärkt, dass vermutlich einerseits Leute, die Psychologie studieren wollen, weniger gut in Mathe und weniger gut in kritischem bis zynischem Hinterfragen sind als z.B. Leute, die Physik studieren wollen. Mit völlig missbräuchlichen Verwendungen von p-Werten als Zeichen einer "Signifkanz" (also "Bedeutsamkeit", die aber nicht weiter geht als die Berechnung eines p-Werts) wird dann andererseits Autorität und Finanzierung eingefordert. Francesa Gino z.B. hat es hinbekommen, von Harvard eine Million im Jahr zu kassieren, mit deutlich fünfstelligen Beträgen für Gastauftritte bei Unternehmen obendrauf. Im Grunde ist sie eine Unterhaltungskünstlerin. Ihre Ergebnisse sind nicht nur Kokolores, sondern ja nach Sichtweise schlimmer oder besser: Es ist Wurst, ob ihre Ergebnisse Kokolores sind. Das Ergebnis, die Leute wollten sich nach "Networking"-Veranstaltungen gerne die Hände waschen, weil sie sich so moralisch korrumpiert fühlten, hat keine weitere Bedeutung, außer dass man es auf eben solchen Veranstaltungen zu Small Talk verwenden kann. Dafür ist dann Wurst, ob die behauptete Geschichte zutrifft oder nicht. Mit etwas Improvisationstalent und Frechheit kann man sich einfach auch solche Dinge ausdenken und mit völlig frei erfundenen Faktoiden mit angeblicher Autorität Small Talk machen: Wusstest Du z.B. schon, dass Männer, die Blumenkohl zu Mittag gegessen haben, länger können? Yale hat's herausgefunden, isch'schwör. Richtig hart wird's dann natürlich, wenn im Gewande einer angeblichen Wissenschaftlichkeit nicht nur soziale Autorität und Anerkennung, sondern direkte Macht über andere eingefordert wird. Es ist doch bezeichnend, dass ein Gert Postl als Professor (mit C4!) der Psychiatrie reüssieren und im Maßregelvollzug eine Macht über eingesperrte Leute ausüben konnte, die in mancherlei Hinsicht größer ist als die Macht eines Strafrichters, aber nicht im geringsten an die Regeln eines Strafrichters gebunden. Noch bezeichnender ist, dass der Hauptschüler Postl als falschen C4-Professor nach Ansicht vieler Kollegen und Patienten seinen Job gut gemacht hat. Das legt doch zumindest nahe, dass die behauptete Wissenschaftlichkeit eben nicht existiert. In der Physik und der Chemie gibt's natürlich auch Betrüger, aber die haben das Problem, dass ihnen spektakuläre betrügerische Entdeckungen zuverlässig um die Ohren fliegen, denn andere Leute wollen sie nicht nur zur Kontrolle replizieren, sondern um auf ihren aufzubauen. Ein Jan-Hendrick Schön musste irgendwann auffliegen, denn andere wollten seine Entdeckungen nutzen. Organische Transistoren wären ja schon geil. Ein Victor Ninov musste aus denselben Gründen auffliegen, denn wenn jemand Elemente 110 bis 112 herstellen kann, dann wird jeder, der Element 113 herstellen will, das zu replizieren versuchen. Der Physikneid der Autorität willen verdeckt dann natürlich andere Zugänge, die solche Autorität nicht in Anspruch nehmen. Freud ist beschissene Naturwissenschaft, aber geniale Literatur. Genauso ist z.B. Ginos "Entdeckung" des Schmutzgefühls beim Networking als "signifikantes" Ergebnis betrügerisch und gleichzeitig absurd, aber als literarischer Zugang zur Kultur der Networking-Events hätte es Resonanz verdient gehabt. Sie hätte ihre "Ergebnisse" besser in eine Kurzgeschichte oder einen Roman ("Tod eines Netzwerkers"?) als in eine "Studie" gepackt, und aus dieser Geschichte hätte man etwas lernen können. Aber um damit Kohle zu machen wie Gino, müsste man schon Tom Wolfe heißen, und so zu schreiben wie der ist schwieriger, als schnell mal ein Excel zu frisieren bis es "signifikant" wird, und ein paar Kollege zu zitieren, die sich über die Verbesserung ihres Zitationsindex freuen.
  24. Die experimentelle Physik leidet aber nicht unter der Sorte von Replikationskrise wie die Verhaltenspsychologie... Jetzt gerade mit Francesca Gino. Natürlich hat die Physik auch Fälscher, Leute, die wirklich an ihre falschen Ergebnisse glauben, usw., aber in der Psychologie scheint das Problem massiv verschärft zu sein.
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