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  1. Na ja, wenn eine Gruppe Jugendlicher auf einem Spielplatz Fangen spielt, dann könnte ein verständiger Beobachter aber auch auf die Idee kommen, daß es sich da um ein Kinderspiel einiger Spätentwickler handelt. Das ging doch als wir Kinder waren auch ohne Probleme, daß man jedenfalls zur Faschingszeit mit der Spielzeugpistole durch die Landschaft getigert ist.
  2. Na ja, Kapazität bezieht sich auf den vorhandenen Platz, nicht den genutzten. Wobei natürlich eine Regelung, nach der erst das Einführen des Magazins die Waffe umkategorisiert, erst recht hanebüchen wäre, denn Kriminelle werden sich mit Sicherheit nicht darum scheren, ob sie jetzt ein Magazin (das für einen Repetierer mit kompatiblen Magazinen vielleicht völlig legal wäre) in eine ohnehin schon illegal besessene Waffe einführen dürfen.
  3. Also die Äußerung hat ja schon etwas von einem bekannten Zitat Gustav von Rochows...
  4. Der Mitteilung nach habe ich den starken Verdacht, daß es sich um eine bekannte vierbuchstabige Abkürzung handelt, die laut Verfassungsgericht keine Beleidigung darstellt, weil sie sich nicht gegen eine hinreichend umrissene Personengruppe richtet sondern eher gegen einen sozialen Sachverhalt (nämlich die Durchsetzung staatlicher Rechtsnormen durch die Polizei) dessen Ablehnung man kundtun darf, auch polemisch. Dieses Urteil dürfte sich auch auf andere denkbare Inhalte übertragen lassen, denn es scheint mir eher unwahrscheinlich, daß so ein Witzbold eine gezielte Beleidigung gegen eine konkrete Gruppe von Polizisten herumträgt.
  5. Auf diese Weise kann man natürlich sehr schön erreichen, was die Amis einen "chilling effect" in bezug auf Redefreiheit nennen. Wenn eine erlaubte aber unerwünschte Äußerung dazu führt, daß eine Durchsuchung vorgenommen werden darf und dann Zufallsfunde aus dieser Durchsuchung, sei es weil jemand eine unserer zahllosen Vorschriften nicht kannte oder weil er sie halt ignorierte, gegen einen verwendet werden dürfen, dann führt das dazu, daß es ratsam ist, die Klappe zu halten. Mag sein, daß die Meinungsäußerung dieses Herrn keinen sonderlich tiefgründigen Beitrag zur politischen Diskussion angibt, aber wenn es mit generellen Unmutsäußerungen über die Polizei anfängt, dann ist es nicht mehr weit, bis man auch durchsucht werden kann, weil man eine unerwünschte Meinung zu einem politischen Thema äußert. Wer kann denn z.B. schon so genau wissen ob eine Aussage wie "Kriminelle Ausländer abschieben!" oder "Keine Scharia in Deutschland!" nicht vielleicht Volksverhetzung sein mögen?--man wird dann eben nicht dafür verurteilt, wohl aber für allfällige Zufallsfunde, und irgendetwas wird sich da bei den meisten finden wenn man gründlich genug sucht. Und wenn solche Sprüche nicht mehr gehen, dann gehen schnell darauf differenzierte Artikel zu den gleichen Themen auch nicht mehr.
  6. Der Kerl hat es eher suboptimal angestellt ("concealed means concealed" wie der Ami sagt) aber auch bei der Polizei lag ein offensichtlicher Denkfehler vor: Vollkommen richtig, aber dem Artikel nach hat er ja gar keine Waffe "gezeigt" (was im normalen Sprachgebrauch irgendeine Form von intentionalem "hier, guck mal" voraussetzt) und schon gar niemanden bedroht.
  7. Und genau solche Probleme wären ein Aufgabenfeld für die EU, wenn sie eine Feuerwaffenrichtline machen wollte, die wirklich das leistet, was in der Präambel als Zweck drinsteht, nämlich den Verkehr mit Feuerwaffen zu erleichtern. Meine Vorschläge: 1. Wer aus einem EU-Land in ein anderes EU-Land mit einer Waffe oder Munition reist und in beiden Ländern die Waffe besitzen darf, der darf ohne weitere Erlaubnis die Waffe durch EU-Transitländer mitnehmen, auch wenn sie dort sonst nicht erlaubt wäre, solange die Waffe ungeladen in einem verschlossenen Behältnis ist und er zielstrebig reist. Gleiches gilt für den Versand. 2. Um 1. administrativ zu erleichtern wird die Form (nicht der Inhalt und die Voraussetzungen) der Besitzdokumente vereinheitlicht. Alte Besitzdokumente sind nach Maßgabe des nationalen Rechts im Heimatland weiterhin OK, aber wer reisen will sollte sich das neue Dokument holen. 3. Wer in einem EU-Land eine Besitzerlaubnis hat und in einem anderen EU-Land die Voraussetzungen für eine Besitzerlaubnis auch erfüllen würde bekommt die Erlaubnis für dieses Land in seine Erlaubnis vom ersten Land mit eingetragen. Dabei sind Benachteiligungen nach dem Ort der Erfüllung einer Verpflichtung innerhalb der EU nicht erlaubt--z.B. zählen für die deutsche Schießterminregelung auch Schießtermine in Frankreich. Das wäre eine tatsächlich sinnvolle Regelung für die die EU auch zuständig wäre.
  8. Es ist eine Satire; der Titel wird bisweilen als Redewendung verwendet. Kurz gesagt handelt es sich um eine Vorschrift, daß Verrückte nicht an einem militärischem Auftrag mit sehr geringer Überlebenswahrscheinlichkeit teilnahmen müssen--aber, das ist der "catch", wer sich auf diese Vorschrift beruft zeigt ja Fähigkeit zu rationalem Handeln und kann deshalb nicht verrückt sein. Es geht also um eine Vorschrift, bei der man so oder so verliert. In unserem Fall ist eben bei der unbegründeten Kontrolle, die ja Anlaßgesetzgebung auf einen konkreten Fall hin ist, die offenbare Intention des Gesetzgebers, daß vollkommen unerwartet sofort nachgeschaut werden kann, damit man nicht z.B. aus dem Nachttisch in den Tresor verlagern oder ein Magazin rausnehmen kann. Wenn einer dieser Regelung nicht nachkommt, dann kann man ihm deshalb Unzuverlässigkeit unterstellen, aber wenn einer dieser Regelung nachkommt, dann kann man ihm Unzuverlässigkeit unterstellen, weil er wildfremde Leute an seinen Schrank lässt.
  9. Hast Du das Buch Catch-22 gelesen? Wenn Du einem Unberechtigten erst Deine Tür und dann Deinen Tresor aufmachst und der dann mit Deiner Waffe abzieht und eine Straftat begeht, bist Du dann verantwortlich und nicht mehr zuverlässig weil du gegen §36 (1) verstoßen hast? Wenn ein Berechtigter an der Tür steht und Du darauf wartest, daß Dir seine Behörde seine Berechtigung bestätigt, bist Du dann unzuverlässig weil Dir unterstellt wird, in der Zwischenzeit die Waffe aufgeräumt zu haben?
  10. Es ist vollkommen egal, ob es um Sicherheit geht, denn dafür ist die EU (abgesehen von Spezialfällen, die einer einstimmigen Entscheidung bedürfen) nicht zuständig. Die Frage ist und bleibt ob eine vorgeschlagene Richtlinie geeignet ist, das zu tun, was in der Präambel als dürftiges Feigenblatt angegeben wird, um die Zuständigkeit der EU zu begründen: Den Verkehr von und mit Feuerwaffen innerhalb der Union zu erleichtern. Dafür ist die vorgeschlagene Richtlinie ganz offensichtlich vollkommen ungeeignet. Um sie überhaupt diskutabel zu machen müsste sie eine Vorschrift enthalten, nach der Einzelstaaten keine weitergehenden Verschärfungen auf nationaler Ebene haben dürfen, und schon gar nicht für lediglich durchreisende Besitzer und Pakete. So eine Vorschrift ist auch in praktisch allen anderen ähnlichen Richtlinien tatsächlich enthalten, aber in gerade in dieser nicht. Was will uns das sagen?
  11. Eine Verfassung, also im weitesten Sinne die Verfasstheit eines Staates, die noch nicht einmal in einem integrierten Dokument aufgeschrieben sein muß, ist nicht auf ein bestimmtes Prozedere ihrer Entstehung angewiesen. Das erklärt sich schon daraus, daß ansonsten dieses Prozedere ja nach den Regeln einer Verfassung durchgeführt werden müsste, welche zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht existent ist (anders natürlich bei Verfassungsänderungen, die sich an das jeweilige Prozedere zu halten haben, denn sonst wären es keine Änderungen sondern Umwälzungen). Im Übrigen gibt es den schönen Spruch von Renan, nachdem die Nation ein tägliches Plebiszit sei. Das Grundgesetz ist deshalb gültig, weil die ganz überwiegende Mehrheit der Deutschen es für gültig ansieht und eventuelle Änderungswünsche innerhalb des Grundgesetzes, nicht durch seine revolutionäre Überwindung, verwirklichen möchte. Das liegt auch nicht an einem Mangel an Redefreiheit, der Änderungswünsche unterdrücken würde, denn es gibt ja z.B. sowohl monarchistische als auch maoistische Vereine, die ungestört ihre Änderungswünsche propagieren dürfen, aber praktisch null Zulauf haben. Ob der Grundgesetz jetzt in einer Volksabstimmung, durch einseitigen Erlass eines Monarchen, einseitigen Erlass der Siegermächte, Dekret von Außerirdischen, oder sonstwie ratifiziert wurde, ist dafür unerheblich. Verfassung ist es, weil Deutschland tatsächlich im Großen und Ganzen so verfasst ist und das offenbar der großen Mehrheit ganz gut gefällt. Auch unerträgliche Unverträglichkeiten des Grundgesetzes mit irgendwie verbreiteten Naturrechtsvorstellungen gibt es nicht, sondern eher die Kritik, daß entweder das Grundgesetz selber schwammig ist (z.B. in bezug auf Eigentum, allgemeine Handlungsfreiheit, usw.) oder aber daß es nach Wort oder Geist nicht eingehalten wird (z.B. von diversen Maßnahmen Muttis). Es steht Dir ja auch vollkommen frei Deinen eigenen Verein aufzumachen, um Deine allfälligen Änderungswünsche anzumelden, solange Du bloß keine gewalttätige Änderung propagierst (die schon wegen offensichtlicher Aussichtslosigkeit mangels Unterstützung eine vollkommen hirnrissige Idee wäre) und Deine Änderungswünsche nicht gerade auf, auch nach vorkonstitutionellen Maßstäben, schwerstes Unrecht gerichtet sind (die Wiedererrichtung des Nationalsozialismus ist wohl das einzige Ziel, für das es wirklich aufs Dach gibt--selbst die Reichsbürger dürfen ja genauso ungestört herumspinnen wie sich gegenseitig hassende maoistische, stalinistische, und titoistische Splittergruppen).
  12. Das erklärt aber nicht warum z.B. Grafe's vollkommen durchgeknallte Aktion immerhin eine Liste von halbprominenten Unterstützern gefunden hat. Welche B-Promis haben wir denn, die einfach einmal offen sagen, daß der Besitz üblicher Feuerwaffen Bürgerrecht ist? Wen sollte denn ein Fernsehtyp überhaupt anrufen um eine positive Perspektive auf den Waffenbesitz zu repräsentieren? Katja Triebel fiele mir ein, aber dann wird's schon dünn. Das liegt nicht an der Ideologie irgendwelcher Redaktionen, das liegt an uns.
  13. Leider funktioniert diese Taktik. Deswegen ist es auch wirksamer, jemanden ins Fernsehen zu bringen, der als Opfer eines Gewaltverbrechens schwer lädiert wurde (aber noch lebt, denn sonst kann er oder sie ja seine Erfahrungen nicht schildern und seine Verletzungen nicht zeigen), gegen das sich das Opfer mit einer Feuerwaffe realistisch hätte wehren können und auch realistisch gewehrt hätte. In Illinois war das Mary Shephard, eine liebenswürdige Dame jenseits der siebzig, die Schießen kann und für dreißig Bundesstaaten Waffenscheine hatte, aber keinen für Illinois, weil es sie da nicht gab, als sie in der Kirche, in der sie gearbeitet hat, von einem Bandenkriminellen mit endlosem Vorstrafenregister halbtotgeschlagen wurde. Es ist von daher absolut glaubhaft, daß sie, wenn er ihr erlaubt gewesen wäre, tatsächlich eine Waffe gehabt hätte und sie wirksam hätte verwenden können. Das Bild ist öffentlichkeitswirksam, dreht einem aber den Magen herum: Die ist dann hingegangen und war Klägerin in einem von NRA, ISRA (so ähnlich wie NRA, aber für den Einzelstaat) usw. mitgetragenen Musterprozeß. Das zwang dann die Grapscher dazu, einer kreuzbraven Oma, die so zugerichtet wurde, ins Gesicht zu sagen, daß ihr Leben weniger zählt als das eines brutalen Kriminellen, der sie totschlagen will, und dann auch noch in einer Kirche. Dabei wollten die Richter dann aber nicht mitmachen, und so haben wir heute Waffenscheine. Jemand, der heult, weil er in Wettbewerben im praktischen Schießen seine Sechzig-Schuß-Trommel nicht mehr verwenden darf, erhält dagegen deutlich weniger Sympathiepunkte. Natürlich wird auch der praktische Gewehrschütze mit seiner coolen Trommel niemandem etwas tun, natürlich ist eine staatlich verordnete Magazinbeschränkung für ihn idiotisch, aber es interessiert keinen. Eine Oma hat oder hatte jeder, und Menschen mit Anstand wollen nicht, daß die so zugerichtet wird.
  14. Also sollten wir nur noch von Moslems im Liberal-Islamischen Bund, die sich als Ausdruck ihrer Religion jedes zweite Wochenende in einer Suppenküche für Obdachlose engagieren, und von gehänselten und geschlagenen Schülern, die daheim ihre Bücher lesen und mit fünfundzwanzig Internetmillionäre werden, berichten? Helfen würde es vermutlich mehr als irgendwelche Waffenrechtsverschärfungen, wäre aber genauso wie jene nicht mit einer freien Gesellschaft verträglich.
  15. Wobei diese Welle ja seit einiger Zeit zum Erliegen gekommen zu sein scheint. Viele solcher Verbrechen seinen Nachahmungstaten zu sein, insofern Wellen die kommen und gehen wie ein Modetanz. Eine Weile lang waren es die Postler, dann die Schüler, zur Zeit hat es unter Moslems Konjunktur. Wenn es vom Einzeltäter, dahin kommt, daß das Verbrechen die ganze Gesellschaft beherrscht, dann können auch diese Wellen die ganze Gesellschaft beherrschen: 1929 war kaum jemand Nazi, 1939 waren sehr viele Nazis, 1949 kaum jemand mehr. Und auch außerhalb des Bereichs des Verbrechens gibt es das. Die Veröffentlichung der Leiden des jungen Werthers soll zu mehreren Selbstmordwellen geführt haben, sogar in Asien, auch wenn das umstritten ist--ein paar Dutzend waren es aber wohl allemal. Heute muß man die Schüler mit der Androhung einer schriftlichen Prüfung zu Lektüre dieses Buches treiben, und umbringen tut sich deshalb garantiert keiner mehr.
  16. Die Frage ist doch aber auch, warum eine Winzgruppe von traumatisierten Kriminalitätsopfern und verkrachten Existenzen, die diese Opfer ausnutzen um in die Medien zu kommen und ein paar Euro einzusammeln, ihre Ansicht besser in die Öffentlichkeit bekommt als Millionen von Waffenbesitzern.
  17. Und gegen dieses Argument kommt man schlecht an, solange man sich nur auf Sportschützen und Sammler bezieht (Jäger sind ein Sonderfall, die unter scharfen Restriktionen auch in den repressivsten Staaten irgendwie eine Waffe bekommen, und sei es mit Aufbewahrung im Polizeirevier). Natürlich kann man sagen, daß bei einer gewissen, geringen statistisch zu erwartenden Anzahl von Todesfällen durch Mißbrauch von Feuerwaffen dieser Gruppen auch nicht mehr passiert als bei vielerlei anderen Hobbies und Aktivitäten, die mit einem gewissen Potential für Fremdgefährdung behaftet sind. Das stimmt zwar soweit, ist aber kein besonders schlagkräftiges Argument. Die beiden Fragen die man stellen muß, und an denen jeder breite Waffenbesitz hängt, sind: 1. Nachdem die ganz überwältigende Mehrzahl von Morden mit Feuerwaffen in unserer Geschichte und überhaupt von staatlichen Akteuren oder staatlich organisierten Akteuren begangen wurde, wie kann irgendjemand ein Monopol auf Waffen für genau diese Gruppe vorschlagen? 2. Wie kann irgendjemand einem anderen Menschen sein Recht auf Leben absprechen, inklusive der praktischen Möglichkeit sich gegen einen Angriff auf sein Leben mit geeigneten Mitteln zur Wehr zu setzen? Darauf hat die ganze Waffengrapscherei bis heute keine Antwort gefunden. Wenn nur noch Engel Uniform tragen oder Uniformierten Befehle erteilen wäre ich einem Waffenmonopol gegenüber vielleicht aufgeschlossener. Solange das aber Menschen tun, die einerseits anfällig sind für Versuchungen und Zwang und andererseits nicht überall sein können, ist die beste Strategie immer noch die Vermeidung eines Monopols auf Waffen.
  18. Da ist dann aber die Frage, warum das so ist. Wenn man sich z.B. Parlamentsdebatten aus der Hochzeit des Parlamentarismus und Liberalismus im neunzehnten Jahrhundert durchliest, dann findet man oft ein hohes Niveau kontrovers geführter Debatten, bei denen Gesetzesvorschläge Satz für Satz abgeklopft wurden und Budgets Posten für Posten. Ich könnte zwei Erklärungen anbieten warum das so ist. Zum einen hat sich der Staat mit seiner Einmischung in alle Lebensbereiche vollkommen übernommen. Die Anzahl und der Umfang der verabschiedeten Gesetze sind so groß, daß es auch dem gewissenhaftesten Abgeordneten, mit einer für eine regelmäßige Achtzigstundenwoche ausreichenden Fitness, völlig unmöglich wäre, sie überhaupt durchzulesen und an eigene Nachforschungen dazu gar nicht zu denken ist. Zum anderen sorgt der Einfluß der Parteien dafür, daß die Fähigkeiten und die Ansichten des einzelnen Abgeordneten weniger zählen als bei einer Direktwahl aus ortsansässigen Honoratioren, die man zu ihrer Position zu einem Thema befragen und an der Wahlurne belohnen oder abstrafen konnte. In einer Partei ist es für die Aufstellung auf einem Listenplatz wichtiger, sich keine Feinde zu machen als sich Freunde zu machen. Das gelingt naturgemäß Leuten am besten, die schon wegen intellektueller Unfähigkeit oder Faulheit niemals auffallen. Gerade für das zweite Problem ist es schwer, eine Lösung anzugeben. Eine Rückkehr zum Mehrheitswahlrecht würde vermutlich wenig ändern, denn Amerika und Großbritannien haben das gleiche Problem. Parteien zu verbieten geht auch schlecht, denn die Assoziationsfreiheit ist eine der grundlegenden bürgerlichen Freiheiten. Möglicherweise ist die Erfindung von Parteien das arcanum imperii, dessen Entdeckung die liberale Demokratie untergräbt ohne daß man viel dagegen machen kann.
  19. Das wird man sehen. Aber auch wenn: Da wo die FPÖ an die Regierung kam fand ja auch weder die von manchen befürchtete Nazipolitik statt noch die von anderen erhoffte Beseitigung der Spezi- und Proporzwirtschaft. Im Großen und Ganzen ging es weiter wie schon davor, bloß halt mit drei Schweineherden am Trog statt derer zwei.
  20. Also Prostitution gibt's in Deutschland mehr, und weniger Ärger gibt es weil sie legal ist. Bei psychoaktiven Substanzen könnte man das genauso machen, und Problem erledigt. Was die Mordrate angeht, schau Dir die einmal nach Gegenden aufgeschlüsselt an. Wo vorwiegend weiße Protestanten leben passiert auch nicht mehr als in Deutschland. Die Vereinigten Staaten haben seit ihrer Gründung unter der, religiös gesprochen, Erbsünde gelitten, daß sich die südlichen Kolonien die körperliche Arbeit sparen wollten, und dazu Sklaven importiert hatten, obwohl schon damals vielen europäischen Christen klar war, daß das moralisch falsch ist. Dafür zahlen sie bis heute, und dafür haben sie mit dem verlustreichsten und zerstörerischsten Krieg ihrer Geschichte bezahlt. Wenn Du daraus eine Lehre ziehen willst, dann wäre das vielleicht eher, daß es keine gute Idee ist, schnell einmal Massen von kulturell und nach dem Aussehen (was die Assimilation erschwert--einem Deutschen mit einem türkischen Elternteil sieht man den Elternteil nicht an) unterschiedliche "Fachkräfte" zu importieren, weil man zu faul ist, die Drecksarbeit selber zu machen.
  21. Jau. "Spannend" wird's aber noch viel mehr, wenn keiner die Möglichkeit hat, sich effektiv zur Wehr zur setzen. Warum wird dieser Stuß eigentlich auch von (ich nehme einmal an) Waffenbesitzern krampfhaft wiederholt, die es eigentlich besser wissen müssen? Die typische Auseinandersetzung mit einem zum Mord entschlossenen Kriminellen folgt der 3:3:3 Regel--3 Meter Entfernung, 3 Schuß, und nach 3 Sekunden ist es so oder so entschieden. Die Wahrscheinlichkeit, daß es in dieser Zeit zu einer Verwechslung kommt, wenn z.B. glücklicherweise der Manager beim McD, ein Elternteil, oder ein Erwachsener, der da schnell einen billigen Kaffee trinkt, bei Eröffnung des Feuers zurückgeschossen hätte, ist praktisch gleich null. Erfahrungsgemäß kriegen sowohl zivile Waffenbesitzer als auch Zivilpolizisten, bei denen ja genau das gleiche Problem besteht, es ohne Probleme hin, ihre Waffe einzustecken oder wenn das nicht geht bei Erscheinen der Polizei abzulegen oder wenn's schnell gehen muß fallenzulassen.
  22. Ab in die Läden (bzw. in Deutschland vorher zum Verband und dann zum zuständigen Sachbearbeiter), und jeder fünf Freunde auf den Stand mitnehmen! Bei den Amis haben die irgendwie verständigen Grapscher, denen es nicht nur darum geht, die eigene Basis wegen Spenden zu aktivieren, inzwischen mehr oder weniger aufgegeben, weil jede Verbotsdiskussion namhafter Politiker zu einem neuen Verkaufsrekord führt. Was man über Präsident Obama auch denkt, er ist der erste Präsident unter dem mehr als hundert Millionen Schußwaffen verkauft wurden, und die sammelt so schnell keiner ein.
  23. Nicht vergessen: "Die EU" will gar nichts, denn die EU sind wir alle. Wenn die Bundesregierung eine neue Welle von Verboten, Enteignungen, Ausschnüffelungen, Einquartierungen oder sonst einen gefährlichen Unsinn vorschlägt, dann benennen wir doch auch, daß die Bundesregierung das will, und sagen nicht "Deutschland will" das. Freundlich bleiben ist auch immer ratsam. Die Leute sind halt, Gott sei's geklagt, auf legalem Weg ins Amt gekommen, im Fall des Parlaments sogar durch Wahl. Aber Recht hast Du natürlich damit, daß diese Vorschläge abgelehnt werden müssen. Nicht nur inhaltlich, weil selbst ein vollständiger Altbestandsschutz uns lediglich zum sich irgendwann biologisch (bzw. durch Korrosion) erledigenden Problem degradiert, sondern schon formal, weil die Typen gar nicht für innere Sicherheit zuständig sind. Das kann man nicht oft genug sagen: Es ist noch nicht einmal relevant ob man die Vorschläge inhaltlich gut oder schlecht findet. Schon der Versuch, unter dem Deckmantel der Vereinfachung von Handel und Transport eine Vorschrift zu erlassen, die dazu ganz offensichtlich nicht gedacht oder geeignet ist, ist ein Anschlag auf die Verfasstheit der EU und die Souveränität der Mitgliedstaaten wie des Unionsvolks. Das muß man sogar dann rund heraus ablehnen, wenn man Waffenverbote für friedliche Bürger eigentlich klasse findet.
  24. Darum soll es gar nicht gehen, denn auch dafür sind die mit dieser Art Gesetzgebungsverfahren nicht zuständig. Offiziell geht es deshalb laut Präambel der existierenden und vorgeschlagenen Richtlinien um die Erleichterung des Verbringens von Waffen innerhalb der EU, denn nur dafür wäre die EU zuständig. Kein Witz, steht wirklich so drin.
  25. Genau darauf, es zu kapieren, aber nicht zu akzeptieren, kommt es an. Das Spiel zwischen Kräften für die Freiheit und Kräften dagegen gibt es seit es den Begriff der Freiheit überhaupt gibt. Solange sich die Menschennatur nicht grundsätzlich ändert wird es das auch in der Zukunft immer geben. Daß Leute z.B. ihre unfähigen Freunde mit einem Job versorgen ist zwar letztlich Untreue gegenüber dem Auftraggeber (im Fall von Politikern als gegen das Volk, im Fall von Managers gegen die Aktionäre oder sonstigen Besitzer) aber das wird es immer geben, und wenn es das gar nicht gäbe, auch nicht bei dem altgedienten kleinen Angestellten, der mit dem Alter arg nachgelassen hat und jetzt einen Scheinjob hat anstatt rausgeschmissen zu werden, wäre es vielleicht auch nicht schön. Man muß es aber begrenzen und in vernünftigen Bahnen halten--für totale Unfähigkeit weiterhin dreißigtausend im Jahr zu kassieren um die Familie notdürftig versorgen zu können ist deutlich weniger sozial schädlich als für totale Unfähigkeit in wichtige Machtpositionen in Politik und Wirtschaft gehievt zu werden. Freiheit ist immer ein kontinuierlicher Prozess, und sie muß ständig von einem Volk, das frei sein will, verteidigt und gewonnen werden. Auch durch die Abwahl einer Partei und die Wahl einer anderen z.B. würde sich das nicht ändern, denn selbst wenn die neue Partei wirklich total klasse wäre und völlig von freiheitlichem Gedankengut beseelt, wird Macht immer korrumpieren oder zumindest zu Faulheit führen, und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Das Problem ist es, wenn sich die Leute aus diesem Prozess der kontinuierlich verteidigten Freiheit ausklinken. Weder die Variante "Geheimdiplomatie", die sich an die Mächtigen anbiedern und nur nichts Falsches sagen will, noch die Wutbürgervariante, die die Schnauze voll hat und dann zu ein paar Antibahnhofs-, Pegida- oder sonstigen Demos geht und danach wieder in den süßen Schlaf versinkt, sind dafür hilfreich Blöde Politruks werden wir immer haben. Die Frage ist, im Beispiel des Waffenrechts, wie viele Waffenbesitzer haben wir denn, die einerseits ohne Scham und Herumgedruckse und andererseits ohne Wut oder seltsame Verschwörungstheorien von sich offen und vor jedermann sagen: "Ich besitze Waffen, wie ich es als Bürger eines freien Landes für mein Recht und vielleicht sogar für meine Pflicht halte. Ich werde mich geduldig für die Anerkennung dieses Rechts einsetzen und Angriffen gegen es entgegentreten, in Diskussionen mit meinen Mitmenschen, mit meiner Stimme bei der Wahl, mit finanziellem oder Arbeitseinsatz für entsprechende Organisationen, und ich werde mich für die Abwahl jedes Politikers einsetzen, der dieses Recht weiter angreift." Solange die Antwort darauf ist: praktisch keine--was nicht nur in Amerika sondern in geringerem Ausmaß auch in der Schweiz oder manchen osteuropäischen Ländern durchaus anders ist--braucht man sich über das Ergebnis doch gar nicht zu wundern. Letztlich liegt's nicht an den Politikern sondern an uns.
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