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Klaas

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  1. Das kann man so sehen. Ich habe zwei Erfahrungen gemacht. Verträge mit dem BWB und Verträge mit kleinen Käufern, die sich den Luxus eines BWB nicht leisten konnten. Die kleinen Käufer haben sich auf dem Markt umgesehen und sich etwas gesucht, das in etwa ihren Wünschen entsprochen hat. Dann hat man mit dem Hersteller über kleinere Änderungen verhandelt und der Vertrag war fertig. Das BWB-Produkt hat 15 Jahre oder länger bis zum ersten Gerät benötigt, der Kleine hat seins nach 4 Jahren. Dann sieht man irgendwann ein nagelneues BWB-Produkt und das Ergebnis eines kleineren Käufers nebeneinander. Anschließend fragt man den Bundeswehrsoldaten, der neben einem steht, worüber er sich ärgert. Antwort: Wir haben jetzt ein Produkt von vorgestern und die da (gemeint: die Kleinen) haben das Neueste vom Neuen. Wenn es hart auf hart ginge, hätten wir gegen die da (gemeint: die Kleinen) keine Chance. Übrigens sollte man nicht unbedingt glauben, das BWB (oder wie auch immer die Behörde gerade heißen mag), hätte die schlechteren Juristen. Meiner Meinung nach trifft das nicht zu. Aber die Amtsjuristen können nur das in die Verträge schreiben, was die Amtstechniker ihnen an technischen Daten vorgeben. Wenn da z.B. unrealistische Umweltszenarien genannt werden, wird das einem Juristen kaum auffallen. Das gilt ebenso, wenn z.B. unrealistische Prüfszenarien für die Abnahme genannt werden, wie es beim G36 der Fall war. Das Problem des Verteuern von Wehrmaterial dürfte im wesentlichen an den unnötig langen Laufzeiten liegen. Beispiel 1 aus der Vergangenheit (damit ich nicht so unangenehm auffalle): Die Steuerung eines Großgerätes soll per Computer erfolgen. Stand der Technik bei CPUs ist der Z80, ein 8-Bit-Prozessor. Als Anzeige ist ein zweizeiliges Display vorgesehen (das ist kein Witz). Aber die Projektentwicklung dauert, wie beim BWB üblich. Jetzt soll die CPU auf den Intel 8080 umgestellt werden. Dann wird es der 8086. Dann wird es ... usw. Nach einer Ewigkeit wird das Projekt fertig und das Gerät wird nun per zweizeiligem Display gesteuert und überwacht. Nebenan steht ein ähnliches Gerät für einen Kleinen. Dem haben wir die neueste Rechnergeneration, mit genormtem Datenbus und Flachbildschirmen eingebaut. Raten Sie mal, was mir der BW-Soldat dazu gesagt hat, der den Kleinen besichtigen konnte. Beispiel 2 aus der Vergangenheit: Während eines Zeitraums von 15 Jahren oder mehr haben eine Menge Leute Zeit, über zusätzliche Wünsche nachzudenken. Man schaut ja auch über den Tellerrand und möchte jetzt zusätzlich dies oder jenes haben. Oder Änderungen sind unerlässlich, weil es bestimmte Komponenten aufgrund der langen Laufzeit einfach nicht mehr gibt, CPUs sind ein gutes Beispiel. Als Lieferant kann man solche Änderungswünsche nicht ignorieren. Aber Änderungen bedeuten, dass man bereits Entwickeltes und/oder Gebautes wegwerfen oder umbauen muss. Jedenfalls muss man in Teilen neu anfangen. Und das kostet nun mal. Wenn man dann während der Entwicklungs- und Bauphase rund 300 Änderungen und Nachforderungen hat, dann ist man schnell bei vielen Millionen an Zusatzkosten. Mein kaufmännischer Partner und ich konnten bei der obligatorischen amtlichen Preisprüfung immer die Mehrkosten rechtfertigen. Nicht - weil wir besser waren, sondern weil der Aufwand das rechtfertigte. Übrigens haben wir bei den Vertragsverhandlungen und bei den Preisprüfungen nie einen Juristen gebraucht. Soweit zum Thema die Industrie hat die besseren Juristen. Letztlich muss ich doch noch eine Lanze für das BWB brechen. Die Behörde hängt letztlich an den Entscheidungen des Parlaments. Wenn dort die Gelder für dringend benötigtes Material nicht freigegeben werden, bleibt das Projekt liegen. Aber die Technik geht weiter, in den Ausschreibungen definiertes veraltet und nach drei Jahren des Wartens ist es jedem, auch im BWB klar, dass man im Grunde mit der Ausschreibung in vielen Teilen neu anfangen muss. Wehrtechnik wird aber nicht billiger, nur weil CPUs und andere Bausteine billiger werden, im Gegenteil, in aktuelle Rechner kann und muss man aufgrund gestiegener Bedrohungsszenarios mehr hinein stopfen, der Aufwand für Software wird höher usw. Die Kostenspirale hat begonnen, sich zu drehen. Man sollte dabei bedenken, dass auch ein potentieller Gegner sein Material ständig verbessert oder aufgrund der veränderten Weltlage soll das Gerät in einer ganz anderen Umgebung eingesetzt werden, als ursprünglich geplant. Krasses Beispiel: Statt eisige Sowjetunion ist nun extreme Hitze am Golf oder in Afghanistan angesagt. Ich höre jetzt lieber auf, das Thema ist nicht gut für meinen Blutdruck. Klaas
  2. Mal eine Frage am Rande: Wieso benötigt man für so was banales wie ein Gewehr eine mehrjährige Phase, um eine Ausschreibung zu erstellen? Meine Ideen als Amateur-Ausschreiber für banale Dinge, was hier gebraucht wird: Munition: Standardmunition, also .223 Magazin: Standard, muss mindestens mit US kompatibel sein. Verstellbare Schaftlänge. Dürfte ja keine Raketenwissenschaft sein Temperaturbereich: Alaska im Winter bis Sahara im Sommer Genauigkeit und Reichweite: Man frage Soldaten, die z.B. in Afghanistan in Kämpfe zu bestehen hatten Genauigkeit und Häufigkeit der Schussabgabe: Man frage Soldaten, die (siehe oben) Fehlerrate pro 10.000 Schuss Lebensdauer: Soll der Anbieter angeben, was er sich halt zutraut. Art der Visierung: Banales Eisen, ZF, Rotpunkt oder alles zusammen? Was soll alles bei Bedarf an-, unter, vor- oder draufgebaut werden? Stufe zwei der Ideen eines Amateur-Ausschreibers: Von der o.g. Sorte gibt es von vielen Herstellern viele Varianten, bei denen anfragen Die o.g. Punkte sind mit einer Kleinst-Serie nachzuweisen. Munition wird gestellt. Da wird wohl ein Gewehr dabei sein, das zu 90% passt. Das wird gekauft. Fertig. Klaas P.S. Ich kenne die Ausschreibungs-Praxis des BWB aus eigener Anschauung, und weiß natürlich, dass es nicht so einfach sein kann.
  3. Nicht jeder hat einen PC, von Smartphone ganz zu schweigen, viele Schützen sind schließlich ältere Semester. Daher kam der Wunsch, dass man sich auch telefonisch anmelden können müsste. Dann soll also ein Freiwilliger zwei- bis viermal pro Woche Telefondienst über mehrere Stunden schieben? Irgendwann hört es auf. Daher: Nix Telefonanmeldung und die ausschließlich Smartphoner sollen sehen, wo sie bleiben. Mir kann keiner erzählen, dass ein Smartphoner nicht irgendwo einen PC rumstehen hat. Übrigens - In unserem Verein gab es bisher wegen der Doodle-Anmeldung keine einzige Beschwerde, sondern eine Menge Zustimmung. Es kam bereits die Idee auf, das in Zukunft beizubehalten, dann könne jeder sehen, wann ein Stand frei wäre. Klaas
  4. Mein bayerisches Ordnungsamt war da ganz anderer Meinung. Begründung: Dann müssten Sie mir eine Waffe jagdlich genehmigen und im Extremfall genau die gleiche oder zumindest ähnliche nochmal für den Sport. Und das wäre ja wohl nicht der Sinn der Sache. Klaas
  5. Zunächst mal - danke für die vielen Antworten auf meine eingangs gestellte Frage. Da habe ich ja einigen Stoff als Anregung bekommen. Für unseren Verein habe ich nach Diskussion im Vorstand folgendes festgelegt: Wir nutzen nur jede zweite Schießbahn, um die geforderten Abstände sicher zu stellen. Die Einschränkungen bezüglich der Kapazität des Standes nehmen wir in Kauf. Deshalb werden jetzt pro Schießtag Zeitscheiben vergeben, getrennt für KW und LW. Die Anmeldung für eine Zeitscheibe erfolgt ausschließlich über das Internet, Doodle ist hier das Werkzeug, das wir nutzen. Die Daten werden nach vier Wochen gelöscht. Es gibt keine Leihwaffen. Schießen nur für erwachsene Mitglieder, keine Zuschauer, keine Gäste. Hygieneregeln sind zu beachten, einschließlich Maske. Die darf nur direkt beim Schießen abgesetzt werden. In der Schießkladde (tatsächlich ist das ein Access-Programm) werden wie üblich Datum, Name und Disziplin erfasst, ebenso zu zahlendes Standgeld und evt. Einkauf von Munition. Standgelder und Einkäufe werden nicht mehr wie früher bar bezahlt, sondern am Ende des Jahres eingezogen. Klaas
  6. So langsam läuft der Schießbetrieb wieder an, wenn es noch erheblichen Einschränkungen gibt. Zur Zeit werden in unserem Verein weder Vereinswaffen noch Gehörschutz noch sonstwas verliehen. Aber das kann nicht ewig so bleiben. Daher meine Frage: Wie soll man das mit Leihwaffen und Leih-Zubehör vorgehen? Leihgeräte nach Gebrauch desinfizieren? Wie soll das funktionieren? Mit einem mit Desinfektionsmittel getränkten Lappen über die Waffe und den Gehörschutz wischen und das reicht? Oder - Wie lange soll das Zeug einwirken? Schaden solche Mittel der Waffe oder Holz oder dem Kunststoff? Muss man das aus rechtlichen Gründen dokumentieren? Alternative: Der Ausleihende bringt Einweghandschuhe mit? Statt Gehörschutz werden Wegwerf-Gehörstöpsel ausgegeben? Klaas
  7. Da gibt es kein Fass aufzumachen. Ein Verband ist nun mal keine Stelle mit staatlichen Rechten. Daher kann eine Behörde das ganz anders sehen als ein Verband. Z.B. wird sich die Behörde nach den (siehe oben) Buchstaben des Gesetzes richten, egal, was der Verband "bescheinigt". Ich mag mich irren, aber ich wüßte nicht, dass eine Behörde eine Verbandsbescheinigung ungeprüft übernehmen MUSS. Klaas
  8. Mein Ordnungsamt war der Meinung, dass ich eine auf Jagdschein erworbene Kurzwaffe auch sportlich schießen könne. Daher würde man mir keinen Voreintrag für eine kalibergleiche Waffe ausstellen, sofern die Jagdwaffe einer Sportordnung (z.B. Lauflänge) genügen würde. Klaas
  9. Meine SIG Sauer 1911 hat den Sicherungsflügel sowohl links wie rechts, den Magazinknopf allerdings nur links. Meine SIG scheint mit jeder Munition klar zu kommen, sogar mit Semi Wadcutter. Und Nachbearbeiten musste da auch niemand was. Das Ding lief von Anfang an. Klaas
  10. Die Bank hat keine Notschlüssel. Nach Verlust der Schlüssel kommt der Schlosser und öffnet das Fach mit grobem Werkzeug. Danach sind Frontplatte und Schloss des Faches zerstört und müssen ersetzt werden. So die Auskunft meiner Bank. Klaas
  11. Hallo Rool73,


    Danke für Dein Interesse an dem Thema Versorgunssicherheit und damit zusammenhängend dem Beenden des Steinkohle-Bergbaus.


    Es ist lange her, dass ich im Ruhrgebiet in eine der dortigen Gruben war. Mal ein paar Informationen betreffend Bergbau: In 100m Teufe hat man die Jahres-Durchschnittstemperatur, die lag und liegt bei etwa 10°C. Der Temperaturgradient liegt an der Ruhr aufgrund des Erdaufbaus bei etwa 1°/27m, es wird also, je weiter man nach unten kommt, ziemlich schnell ziemlich warm. Hinzu kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit aufgrund des ständig einströmenden Wassers. Damals war ich auf der 800m-Sohle, da war es schon ungemütlich. Zuletzt war man meines Wissens deutlich tiefer als 1000m. Jetzt rechnen wir mal. (1200m-100m)/27m/1°C+10°C = 50°C (in etwa). Die Arbeiter da unten müssen tropentauglich sein, denn wenn die Kühlung ausfüllt, bekommt man nicht sofort alle aus der Grube heraus. Wenn das Warten länger als eine halbe Stunde dauert, muss man mit Toten rechnen. Mit anderen Worten, die Grenze des Machbaren war in Sicht.


    In anderen Gegenden sieht es völlig anders aus. In Goldbergbau in Johannesburg, Südafrika z.B. beträgt der Temperaturgradient aufgrund des Granits rund 1°C/104m. Damit kommt man tiefer als 4000m. Auf der tiefsten Sohle, damals 4400m, lag die Temperatur des Felsens bei 56°C, wie man mir sagte. Da solle man den Fels besser nicht anfassen. Ich kann es nicht bestätigen, ich war nur auf der 2200m-Sohle. Dort wurden die von mir projektieren Motoren der Fördermaschinen eingebaut, deren Förderkörbe von dort ganz nach unten gingen. Die Kühlaggregate über Tage hatten allerdings die Abmessungen eines kleinen Dorfes.


    Noch ein Wort zu den Finanzen der deutschen Kohle. Vor Jahren hat man mir im Heizkraftwerk Nürnberg erklärt, dass die hoch subventionierte deutsche Ruhrkohle (Siehe Google: Jahrhundertvertrag) 280 DM/t kosten würde, die australische hingegen nur 60 DM/t. Die schwefelarme australische Kohle durfte man jedoch nur bei Inversionslagen verfeuern, anstatt des - wörtlich - deutschen Drecks.


    Die Subventionen für die deutsche Steinkohle haben sich im Laufe der Jahre auf gigantische Beträge aufsummiert. Google ist Dein Freund. Wie sagte Elle Driver im Film Kill Bill so schön: "Ich liebe das Wort 'gigantisch', aber leider kann man es so selten anwenden". In diesem Fall ist es jedoch völlig angebracht.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Die deutsche Steinkohle ist an zwei Grenzen gestoßen, an die Grenze des Machbaren und an die Grenze des Finanzierbaren. Dabei sollte man auch nicht übersehen, dass zu jenem Zeitpunkt die Braunkohle nicht subventioniert wurde und weitgehend unumstritten war.


    Um nicht mißverstanden zu werden - Versorgungssicherheit ist wichtig, wie wir in Coronazeiten gerade auf die harte Art lernen. Aber ob die Steinkohle dafür bei weiterem, ständigen auskohlen und weiterem abteufen heute wirklich noch einen  nennenswerten Beitrag hätte leisten können? Ich hatte und habe meine Zweifel.


    Klaas

  12. Hallo Rooster,


    Danke für Dein Interesse an dem Thema Versorgunssicherheit und damit zusammenhängend dem Beenden des Steinkohle-Bergbaus.


    Es ist lange her, dass ich im Ruhrgebiet in eine der dortigen Gruben war. Mal ein paar Informationen betreffend Bergbau: In 100m Teufe hat man die Jahres-Durchschnittstemperatur, die lag und liegt bei etwa 10°C. Der Temperaturgradient liegt an der Ruhr aufgrund des Erdaufbaus bei etwa 1°/27m, es wird also, je weiter man nach unten kommt, ziemlich schnell ziemlich warm. Hinzu kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit aufgrund des ständig einströmenden Wassers. Damals war ich auf der 800m-Sohle, da war es schon ungemütlich. Zuletzt war man meines Wissens deutlich tiefer als 1000m. Jetzt rechnen wir mal. (1200m-100m)/27m/1°C+10°C = 50°C (in etwa). Die Arbeiter da unten müssen tropentauglich sein, denn wenn die Kühlung ausfüllt, bekommt man nicht sofort alle aus der Grube heraus. Wenn das Warten länger als eine halbe Stunde dauert, muss man mit Toten rechnen. Mit anderen Worten, die Grenze des Machbaren war in Sicht.


    In anderen Gegenden sieht es völlig anders aus. In Goldbergbau in Johannesburg, Südafrika z.B. beträgt der Temperaturgradient aufgrund des Granits rund 1°C/104m. Damit kommt man tiefer als 4000m. Auf der tiefsten Sohle, damals 4400m, lag die Temperatur des Felsens bei 56°C, wie man mir sagte. Da solle man den Fels besser nicht anfassen. Ich kann es nicht bestätigen, ich war nur auf der 2200m-Sohle. Dort wurden die von mir projektieren Motoren der Fördermaschinen eingebaut, deren Förderkörbe von dort ganz nach unten gingen. Die Kühlaggregate über Tage hatten allerdings die Abmessungen eines kleinen Dorfes.


    Noch ein Wort zu den Finanzen der deutschen Kohle. Vor Jahren hat man mir im Heizkraftwerk Nürnberg erklärt, dass die hoch subventionierte deutsche Ruhrkohle (Siehe Google: Jahrhundertvertrag) 280 DM/t kosten würde, die australische hingegen nur 60 DM/t. Die schwefelarme australische Kohle durfte man jedoch nur bei Inversionslagen verfeuern, anstatt des - wörtlich - deutschen Drecks.


    Die Subventionen für die deutsche Steinkohle haben sich im Laufe der Jahre auf gigantische Beträge aufsummiert. Google ist Dein Freund. Wie sagte Elle Driver im Film Kill Bill so schön: "Ich liebe das Wort 'gigantisch', aber leider kann man es so selten anwenden". In diesem Fall ist es jedoch völlig angebracht.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Die deutsche Steinkohle ist an zwei Grenzen gestoßen, an die Grenze des Machbaren und an die Grenze des Finanzierbaren. Dabei sollte man auch nicht übersehen, dass zu jenem Zeitpunkt die Braunkohle nicht subventioniert wurde und weitgehend unumstritten war.


    Um nicht mißverstanden zu werden - Versorgungssicherheit ist wichtig, wie wir in Coronazeiten gerade auf die harte Art lernen. Aber ob die Steinkohle dafür bei weiterem, ständigen auskohlen und weiterem abteufen heute wirklich noch einen  nennenswerten Beitrag hätte leisten können? Ich hatte und habe meine Zweifel.


    Klaas

     

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    2. Rooster

      Rooster

      Hallo Klaus

      Ja das interessiert mich sehr, wie alles aus dem Bergbau. Und vielen Dank für die Bilder. Da wird man der Dimensionen bewusst, wie weit die Technik damals schon fortgeschritten war, und wie rückständig wir dagegen zu dem Zeitpunkt waren. Da war der hiesige Bergbau ja wirklich im Dampfmaschinenzeitalter hängen geblieben. Ich hab noch nie eine so riesige untertägige Schachthalle gesehen. Und ich dachte die untertägige Schachthalle auf Radbod 6 wäre riesig....

       

      Ich hab die Lehre 1984 begonnen, wo noch keine Computer oder SPS-Steuerungen eingesetzt wurden, wo alles händisch geschrieben wurde, und die elektrischen Anlagen im Gegensatz zu Deinen Bildern tlw. rein vorsintflutlich waren (Naja ganz so schlimm wars ja doch nicht). Und in der Lehre wie ein Bekloppter die ersten 6 Monate gefeilt, und das auf eine Maßhaltigkeit von 0,05mm!! Schon damals war das klar, das wir das niemals im Leben wieder brauchen werden. Und ich habe als junger Schlosser manche Seilwechsel mitgemacht... Mann war das damals eine Maloche.

      Auch die PSA war anfangs ein Fremdwort. Augenschutz, Gehörschutz? Ölbeständige Handschuhe? Hatte man nicht. Das einzige was wir an Augenschutz Ende der 80er hatten war diese dicke Schweißerbrille, bei der man die verdunkelten Gläser hochklappen konnte. Handschuhe waren die dicken Lederhandschuhe, die waren eigentlich gut, aber weniger für nasse/feuchte Arbeiten geeignet. Winterbekleidung? Fremdwort.... Wenn man Glück hatte, bekam man eine lange Unterhose, ansonsten alles von zuhause mitgebracht. So am einziehenden Schacht unter der Schachtbühne die Hubzylinder der Schwingbühne wechseln, bei -15°C.... macht Spaß. Was haben wir uns damals den Arsch abgefroren.... Und wenn man sich gewagt hatte, zur Arbeitssicherheit zu gehen und nach Augen- und Gehörschutz, oder Winterbekleidung zu fragen, dann konnte man als kleiner übertägiger Schlosser bestenfalls ein geknurrtes "Hamwa nich und stell dich nicht so an" sich anhören. Ansonsten Anschiß, auch vom Alten.

      Und dann verlor ein Kumpel an der Stoßmaschine ein Auge, als ihm ein Span traf. Auf einmal war alles da. "Hat schon immer im Lager gelegen, hättet ihr nur abholen brauchen"... bekam man dann zu hören. Und ab da besserte sich die Lage, vor allem als wir Übertage das so spitz kriegten, was die Kumpels untertage alles so bekamen.

       

      Also, ich muß wirklich sagen, die Bilder sind toll. Nochmals vielen Dank.

      Dir und Deiner Familie ebenfalls noch ein schönes Osterfest und viele Grüße aus Hamm.

      Rainer Brormann

       

    3. Klaas

      Klaas

      Hallo Rainer,

       

      vielleicht abschließend zu unserer kleinen Diskussion: Schau Dir mal bei Gelegenheit den Krimi "Gold" von 1974 an, mit Roger Moore. Die Aufnahmen dort unter Tage, die Bohrmaschinen und das Sprengen sind sehr realistisch, die riesigen Abraumhalden über Tage ebenfalls. Das gilt übrigens auch für das Folklore, das dort gezeigt wird und nebenbei bemerkt auch für den Alkoholverbrauch. Hab' ich als Vertriebsingenieur zu spüren bekommen.

       

      Klaas

    4. Rooster

      Rooster

      Klaus, nenne mir eine Zeche, auf der nicht gesoffen wurde. Das waren die besten Kunden der Brauereien und Schnapsbrennereien. Erst Ende der 90er wurde das so langsam reduziert bis hin zum totalen Alkoholverbot, welches in den 2000ern zunehmend durchgesetzt wurde. Ich kenne noch die Zeiten, wo morgens bei Schichtbeginn die erste Flasche Schnaps geköpft wurde. :)

       

      Ich betrachte die Zeit im Bergbau mit zwei verschiedenen Gefühlen. Einmal mit Wut über die unnötige Härte und Verarschung, die einem widerfuhr. Und einmal mit Wehmut an die tollen Zeiten, die Kumpels und auch die Arbeit, die Spaß machte. 
      Lang ist das her, und kommt nicht wieder. 
      Den Film kannte ich nicht. Muss ich mir mal anschauen. 
      Rainer

  13. Klaas

    Hallo Iggy,

     

    vor ein paar Tagen hast Du Dein Bedauern zum Ausdruck gebracht, dass unsere letzten Kohlegruben geschlossen worden seien, die hätten doch heute noch zu unserer Versorgunssicherheit beitragen können.

     

    Entschuldige bitte, wenn ich Dir das persönlich schreibe, aber der Forum-Admin hatte meine unten stehende Antwort, weil seiner Meinung nach am Thema vorbei, gesperrt.

     

    Es ist lange her, dass ich im Ruhrgebiet in eine der dortigen Gruben war. Mal ein paar Informationen betreffend Bergbau: In 100m Teufe hat man die Jahres-Durchschnittstemperatur, die lag und liegt bei etwa 10°C. Der Temperaturgradient liegt an der Ruhr aufgrund des Erdaufbaus bei etwa 1°/27m, es wird also, je weiter man nach unten kommt, ziemlich schnell ziemlich warm. Hinzu kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit aufgrund des ständig einströmenden Wassers. Damals war ich auf der 800m-Sohle, da war es schon ungemütlich. Zuletzt war man meines Wissens deutlich tiefer als 1000m. Jetzt rechnen wir mal. (1200m-100m)/27m/1°C+10°C = 50°C (in etwa). Die Arbeiter da unten müssen tropentauglich sein, denn wenn die Kühlung ausfüllt, bekommt man nicht sofort alle aus der Grube heraus. Wenn das Warten länger als eine halbe Stunde dauert, muss man mit Toten rechnen. Mit anderen Worten, die Grenze des Machbaren war in Sicht.

     

    In anderen Gegenden sieht es völlig anders aus. In Goldbergbau in Johannesburg, Südafrika z.B. beträgt der Temperaturgradient aufgrund des Granits rund 1°C/104m. Damit kommt man tiefer als 4000m. Auf der tiefsten Sohle, damals 4400m, lag die Temperatur des Felsens bei 56°C, wie man mir sagte. Da solle man den Fels besser nicht anfassen. Ich kann es nicht bestätigen, ich war nur auf der 2200m-Sohle. Dort wurden die von mir projektieren Motoren der Fördermaschinen eingebaut, deren Förderkörbe von dort ganz nach unten gingen. Die Kühlaggregate über Tage hatten allerdings die Abmessungen eines kleinen Dorfes.

     

    Noch ein Wort zu den Finanzen der deutschen Kohle. Vor Jahren hat man mir im Heizkraftwerk Nürnberg erklärt, dass die hoch subventionierte deutsche Ruhrkohle (Siehe Google: Jahrhundertvertrag) 280 DM/t kosten würde, die australische hingegen nur 60 DM/t. Die schwefelarme australische Kohle durfte man jedoch nur bei Inversionslagen verfeuern, anstatt des - wörtlich - deutschen Drecks.

     

    Die Subventionen für die deutsche Steinkohle haben sich im Laufe der Jahre auf gigantische Beträge aufsummiert. Google ist Dein Freund. Wie sagte Elle Driver im Film Kill Bill so schön: "Ich liebe das Wort 'gigantisch', aber leider kann man es so selten anwenden". In diesem Fall ist es jedoch völlig angebracht.

     

    Lange Rede, kurzer Sinn: Die deutsche Steinkohle ist an zwei Grenzen gestoßen, an die Grenze des Machbaren und an die Grenze des Finanzierbaren. Dabei sollte man auch nicht übersehen, dass zu jenem Zeitpunkt die Braunkohle nicht subventioniert wurde und weitgehend unumstritten war.

     

    Ich hoffe, Du siehst mir meinen nostalgischen Ausflug in meine Bergbau-Vergangenheit nach.

     

    Mit freundlichem Gruß
    Klaus Petrat (Klaas)
    Nürnberg

    1. Iggy

      Iggy

      Hallo Klaus,

       

      ich weiß nicht warum ich ihn doch lesen konnte, ich habe Deinen gleichlautenden Beitrag im Forum schon gelesen.

      Mir ist klar, "deutsche Kohle teuer". 

      Ich war früher auch massiv gg. Subventionen aller Art - auch und gerade bei Kohle.

      "Früher", das war zu meiner Schulzeit. Mittlerweile ist aber in mir die Erkenntnis gereift, daß, auch wenn wir jetzt jahrzehntelang ruhige Zeiten hatten, es aus strategischer Sicht doch nicht garso rausgeworfenen Geld ist, das Know-How und die Infrastrukturen in Sachen Kohle zu erhalten. Ebenso bei der Stahlerzeugung und Anderem.

       

      Vielleicht haben wir ja jetzt doch ein gewisses Umdenken.

       

      Ich war, das nur nebenbei, schon immer gg. "just in time" bei Industriebetrieben jeglicher Art.

       

      So, ich habe zwar Urlaub, war aber heute dennoch schon geschlagene 4 Stunden am Telefonieren und eine Stunde am Rumfahren, um an meinem Notdienst Ostersonntag/Ostermontag infizierten oder ansteckungsverdächtigen Schmerzpatienten wenigstens sagen zu können, wo sie sich im Notfall hinwenden können. Schutzmaterial haben wir nämlich nix mehr bekommen, vom Söders Marggus. 

      Man könnte es organisierte Verantwortungslosigkeit nennen.

       

      Generell: Es sieht SCHEISSE aus. In diversen Pflegeheimen "brennt" es lichterloh.

       

       

      Grüße

       

      Erik (Oberasbach bei Nbg.)

       

  14. Danke für die Antwort. Sorry, vergaß ich zu erwähnen, es ging um das genannte Zubehör für einen Drilling. Klaas
  15. Wie sieht es eigentlich mit Einsteckläufen oder mit Fangschussgebern aus? Bisher waren die nicht meldepflichtig. Klaas
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