Jump to content
IGNORED

Heinrich Heine - ein Visionär?


Michael Grote

Recommended Posts

Moin,

ein User hat mich auf ein visionäres Gedicht von Henrich Heine aufmerksam gemacht:

Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen (1854)

Wir Bürgermeister und Senat,
Wir haben folgendes Mandat
Stadtväterlichst an alle Klassen
Der treuen Bürgerschaft erlassen.

Ausländer, Fremde, sind es meist,
Die unter uns gesät den Geist
Der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Gottlob! sind selten Landeskinder.

Auch Gottesleugner sind es meist;
Wer sich von seinem Gotte reißt,
Wird endlich auch abtrünnig werden
Von seinen irdischen Behörden.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
Die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude
Sobald es dunkelt, Christ und Jude.

Wo ihrer drei beisammen stehn,
Da soll man auseinander gehn.
Des Nachts soll niemand auf den Gassen
Sich ohne Leuchte sehen lassen.

Es liefre seine Waffen aus
Ein jeder in dem Gildenhaus;
Auch Munition von jeder Sorte
Wird deponiert am selben Orte.

Wer auf der Straße räsoniert,
Wird unverzüglich füsiliert;
Das Räsonieren durch Gebärden
Soll gleichfalls hart bestrafet werden.

Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.

Link to comment
Share on other sites

Ich finde da die kurzen Gedichte besser:

Meine Wünsche sind eine bescheidene Hütte, Milch und Butter, vor der Tür einige schöne Bäume -

und wenn der liebe Gott mich ganz glücklich machen will, lässt er mich die Freude erleben,

daß an diesen Bäumen etwa sechs bis sieben meiner Feinde aufgehängt werden.

Heinrich Heine

Diejenigen fürchten das Pulver am meisten, die es nicht erfunden haben.

Heinrich Heine

Link to comment
Share on other sites

Ob Visionär oder Realist, dessen in dem Gedicht gemachten Beobachtungen einfach nur zeitlos sind.

Freiheit muß jeden Tag auf das neue erkämpft werden. Ob blaublütig, die Oberschicht der Arbeiter und Bauern, der Geldadel oder brauner Herrenmensch / grüner Bessermensch - alle sind letztlich Brüder im Geiste.

Link to comment
Share on other sites

Das Gedicht hab ich vor ewigen Zeiten mal an den Bleifrei-Möller gemailt, der es dann auch prompt an seinen gesamten Verteiler verteilt hat, worauf es wenig später im VISIER erschien.

Wirklich erstaunlich.

Heine selbst hatte es übrigens eher mit den laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangen Gedichten.

Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass die Situation, die wir heute in Europa haben, eine sehr neue Situation ist.

Noch vor 150 Jahren fuhr man auf dem Weg von Stuttgart nach Frankfurt durch fünf Staaten (wenn ich keinen vergessen habe) und diese Situation bestand so seit vielen hundert Jahren.

Das heute bei vielen so beliebte "deutsche" Preussen war nicht deutsch, sondern preussisch und redlich bemüht, alle anderen deutsch Sprechenden möglichst zu unterdrücken.

"Schlaf mein Kind, schlaf leis,

dort draussen geht der Preus,

Deinen Vater hat er umgebracht,

Deine Mutter hat er arm gemacht ....

... doch wo Dein Vater liegt mein Schatz,

dort hat noch mancher Preusse Platz."

Und so weiter.

Die Idee eines "Deutschland" war damals völlig neu und zudem noch schwer rechtswidrig, denn die Fürsten- und Königtümer mit ihren gekrönten Häuptern stellten den gesetzlichen Zustand dar.

Wer kann sich das heute noch vorstellen?

Selbst die Situation, die zum ersten Weltkrieg führte, über den ja dieses Jahr wegen des "Jubiläums" viel berichtet werden wird, kann man sich kaum noch vorstellen.

Die Lebensumstände sind einfach grundlegend zu verschieden: Bildung, Ernährung, Transport-/Verkehrsmittel, Informationsstand.

Wer Ernst Jüngers (durchaus problematisches) Buch "In Stahlgewittern" liest, wird sich vielleicht über die ausführliche Schilderung einiger Mahlzeiten und den Verzehr von Eiern wundern.

Warum? Normalerweise gab es Kartoffeln (bestenfalls mit Salz) oder trockenes Brot mit Marmelade (die gut haltbar war).

Sowohl im ersten als im zweiten Weltkrieg beruht die Militärbegeisterung vieler junger Männer letzten Endes zu einem guten Teil auch auf Technikbegeisterung - man kannte nämlich auf den Käffern bestenfalls mal eine Dreschmaschine.

Keine Radio, Zeitungen nicht immer verfügbar und wenig aktuell. Wirklich wichtige neue Nachrichten kamen per "Depesche" die an zentralen Orten ausgehängt wurden.

Kein Penicilin bzw. keine Antibiotika. Der erste Menschenversuch mit einem Antibiotika wurde in den 30iger Jahren an einem Polizisten in England vorgenommen, der sich bei der Gartenarbeit an einer Rose gestochen hatte, als er schon fast tot war. Er stand fast buchstäblich von den Toten wieder auf, starb aber letztlich, weil nicht nicht ausreichend Medikament verfügbar war.

Im Klartext: Es sind unzählige Menschen an verhältnismässigen Kleinigkeiten und anderen Infektionen gestorben, ohne das es überhaupt zu Kampfhandlungen kam.

Die Kindersterblichkeit war dramatisch; auch die der Wöchnerinnen.

Was Heine betrifft, machte er sich nicht nur Freunde

Die deutschen Censoren —— —— —— ——
—— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
—— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
—— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
—— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
—— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
—— —— —— —— —— Dummköpfe —— ——
—— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
—— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
—— —— —— —— —— —— —— —— —— ——
—— —— —— —— ——

und verbrachte nach der gescheiterten Revolution seine Tage zuletzt in Frankreich, wo er aufgrund einer Krankheit fast eine Dekade lang an das Bett gefesselt war, bevor er starb.

Verlor'ner Posten in dem Freyheitskriege,
Hielt ich seit dreyzig Jahren treulich aus.
Ich kämpfte ohne Hoffnung, daß ich siege.
Ich wußte, nie komm' ich gesund nach Haus.
[…]
Doch fall' ich unbesiegt, und meine Waffen
Sind nicht gebrochen –. Nur mein Herze brach.

Link to comment
Share on other sites

Man kann Heine vieles vorwerfen - aber nicht, dass er nicht sehr aktiv für eine Veränderung der Verhältnisse gekämpft hat.

Und letzten Endes ist er auch "woanders" hingegangen, nämlich nach Frankreich.

Zweifellos hätte er gerne heute gelebt, zumal seine Krankheit sicher behandelbar gewesen wäre.

Link to comment
Share on other sites

...warum ist er dann nicht einfach woanders hingegangen?

Ich leibe solche Sprüche!

Die kommen meistens von Leuten, die es nicht verstehen können, das eben NICHT jeder die möglichkeit zum "woanders hingehen" hat!

(Aus welchen Gründen auch immer...)

Link to comment
Share on other sites

"Heinrich Heine wäre wahrscheinlich froh gewesen, wenn er in diesen Tagen hier gelebt hätte."

Wohl kaum - "denn wenn er heut am Leben wäre .....- man zöge ihn aus dem Verkehr. - Nun rat mal : Wo?? - das ist nicht schwer :....

Die Obrigkeit hat sich schon immer und überall vor Gedanken und vor Waffen gefürchtet.

Viele Grüße - sundance

P.S. ... kein Jude (wie Heine) - kein Kommunist (wie Biermann) - und mit dem "braunen Sumpf" habe ich gar nichts am Hut

- ich bin Wiederlader, heißt : Handle eigenverantwortlich.

Link to comment
Share on other sites

Biermann ist mal wirklich Kommunist.

Er ist einfach ein Stinkstiefel, der mit niemand kann und mit dem niemand kann.

Inzwischen hat er sich allerdings geändert:

Er ist ein alter, seniler Stinkstiefel, der mit niemandem kann und mit dem niemand kann.

Link to comment
Share on other sites

Wohl kaum - "denn wenn er heut am Leben wäre .....- man zöge ihn aus dem Verkehr. - Nun rat mal : Wo?? - das ist nicht schwer :....

Die Obrigkeit hat sich schon immer und überall vor Gedanken und vor Waffen gefürchtet.

Viele Grüße - sundance

P.S. ... kein Jude (wie Heine) - kein Kommunist (wie Biermann) - und mit dem "braunen Sumpf" habe ich gar nichts am Hut

- ich bin Wiederlader, heißt : Handle eigenverantwortlich.

Das ich nicht lache! Wir leben in einer Welt, in der kein Mensch mehr die Freiheit würdigt.

Zugegeben, es gibt auch heute viele Einschränkungen- aber im Vergleich zu anderen Ländern oder im Vergleich zu früher (siehe EkelAlfreds Beitrag #6)

leben wir in der freiesten, aufgeklärtesten Zeit die es auf diesem Planeten je gab (das dachten sich unsere Vorfahren wahrscheinlich auch).

"...aus dem Verkehr gezogen" genau- bei Dir in Rußland vielleicht, aber nicht hier.

Zu dem kommt es immer auf den jeweiligen Zeitgeist an der in jener Epoche vorherrscht- Beispiele gibt es, nur in den letzten hundert Jahren, genügend.

Was heute als "frei" bezeichnet wird, ist vielleicht morgen schon Sodom und Gomorra oder umgekehrt.

Ich glaube, dass dieser Fred schon wieder in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt wird...

Link to comment
Share on other sites

"...aus dem Verkehr gezogen" genau - bei Dir in Rußland vielleicht, aber nicht hier. "

Ihrem Asylantrag konnten wir zu unserem Bedauern leider nicht stattgeben !

"Ich glaube, dass dieser Fred schon wieder in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt wird."

...ich auch !

Ach Michel, bleib sitzen in Deinem warmen Stuhl und pflege Deine Anscheinsluftdruckwaffe. Pass aber auf, dass die Ges.., St.. räusper "verdachtsunbahängigen Kontrolleure" nicht vor der Tür stehen.

Viele Grüße - sundance

Link to comment
Share on other sites

Archived

This topic is now archived and is closed to further replies.

×
×
  • Create New...

Important Information

Terms of Use
Privacy Policy
Guidelines
We have placed cookies on your device to help make this website better. You can adjust your cookie settings, otherwise we'll assume you're okay to continue.