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swiss-shooter

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  1. Die EU ist zum Scheitern verurteilt https://epaper.nzz.ch/article/8/8/2021-10-10/18/295726559?signature=a620e1c0857cd9a8c70efeaacd41b978ba32a73656329170c60e90ad3effb2a8
  2. Du bist der Einzige der‘s Begriffen hat. Der Rest labert nur rum und erklärt mit breiter Brust warum es „nicht funktioniert!“ Sieht dabei aber nur seinen „Standpunkt von Radius 0!“ und hat dabei das Gefühl, er stehe auf dem „Feldherrenhügel!“ Aber eben, so ist er halt der Deutsche, Linientreu bis in den Tod! Lernt von den Franzosen!
  3. Ich würde wenigstens den Hund zurücklassen!
  4. 2 interessante Leserbriefe aus unserer Lokalen Tageszeitung zum Thema Corona und Freiheit.
  5. Erst die Partygänger, dann die Heimweh-Albaner https://epaper.nzz.ch/article/6/6/2021-09-14/12/294921539?signature=c9ca46414ed4d7137b535e532808f4443bf416fed9c53c95274a57ae43e13c46
  6. Das Revolverschiessen in Veltheim/Winterthur wurde abgesagt!
  7. Am diesjährigen Pistolen Rütlischiessen dürfen nur geimpfte, getestete oder genesene teilnehmen.
  8. Toll? Und hast ihn noch gar nicht gelesen?
  9. «Ich bin wütend auf die Diaspora» Die Zürcher Regierung entzieht dem grössten albanischen Festival Europas kurzfristig die Bewilligung. Es ist der Tiefpunkt einer aus dem Ruder gelaufenen Entwicklung im Zuge der Corona-Pandemie. Fabian Baumgartner, Linda Koponen, Florian Schoop, Christin Severin Es hätte das grösste Festival der albanischen Kultur werden sollen, die grösste Open-Air-Party der hiesigen Diaspora. Doch nun, kurz vor Beginn, zieht der Zürcher Regierungsrat den Stecker und widerruft eine Bewilligung, die die Justizdirektion bereits erteilt hat. Das Alba-Festival richte sich an eine stark vom Coronavirus betroffene Community, so begründet die Regierung den Schritt. Auf den Intensivstationen der Spitäler befänden sich überdurchschnittlich viele Patienten mit Bezug zum Balkan. Und eine solche Grossveranstaltung führe zu einer zusätzlichen Belastung. Eine Durchführung könne man deshalb nicht verantworten. Es ist der vorläufige Tiefpunkt einer Entwicklung, die sich in den letzten Wochen zugespitzt hat. Dabei sind vor allem Ferienrückkehrer aus Kosovo in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. «Wie Kosovo zum Corona-Hotspot wurde – und die Schweiz mitriss» lautete etwa eine Schlagzeile. «Kater nach dem Partysommer in Kosovo» eine andere. In einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen diese Woche untermauerte Zürichs Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (svp.) diese Entwicklung mit Zahlen. Derzeit hätten zwischen 70 und 80 Prozent der Patienten auf den Intensivstationen einen Migrationshintergrund, sagte sie. Wie ist es dazu gekommen? Und wie erleben Direktbetroffene die gegenwärtige Situation? Wir haben mit vier von ihnen geredet. Eine von ihnen ist Fitore Keller, Treuhänderin, in Zürich wohnhaft. Sie ärgert sich über jene, die sich nicht impfen lassen wollen. Fitore Keller: «Kopflos und sehr egoistisch» «Ich habe mich impfen lassen, weil ich der Wissenschaft vertraue. Kinder und Jugendliche haben stark unter dem Lockdown gelitten. Grosseltern sind vereinsamt. Familienfeste wurden abgesagt. Für mich war daher klar: Ich leiste meinen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie, denn wir sind ein Kollektiv. Es macht mich einerseits betroffen, dass die albanische Community in den Fokus der Medien und schliesslich der Gesellschaft geraten ist. Andererseits bin ich wütend auf die Diaspora, denn sie hat kopflos und sehr egoistisch gehandelt. Sowohl in Kosovo als auch in der Schweiz waren die Fallzahlen vor den Sommerferien niedrig. Danach sind sie explodiert. Gefälschte Zertifikate sind in Kosovo und anderen Ländern ab 50 Euro zu haben. Während sich die Mehrheit an die Regeln hielt, feierten einige Hochzeiten und Partys und nahmen eine weitere Pandemiewelle samt Konsequenzen in Kauf. Während unsere Kosovo-Schweizer die Rega einfliegen lassen, um sich in unseren 5-Sterne-Spitälern von übermüdeten Ärzten und Pflegern behandeln zu lassen, sind die erkrankten Kosovaren völlig auf sich allein gestellt. Das ist nicht okay. Wir müssen das Problem beim Namen nennen. Die Kosovo-Schweizer haben das Virus jedoch nicht zurück in die Schweiz gebracht. Corona war nie weg, wir haben es mit einer weltweiten Pandemie zu tun. Statt einen Sündenbock zu suchen, sollten wir versuchen, die Leute abzuholen, und gemeinsam an einem Strang ziehen. Ich versuche in sozialen Netzwerken, die albanische Community zum Impfen zu motivieren. Diese Kanäle werden von den Albanern sehr intensiv für die Verbreitung von Informationen genutzt. Ich stelle nicht fest, dass es unter den Albanern mehr Impfgegner gibt als unter anderen Nationalitäten. Ich beobachte aber, dass sie fahrlässiger mit den Massnahmen umgehen und das Virus verharmlosen. Einen Spruch, den ich oft unter Albanern höre, ist: ‹Wenn deine Zeit gekommen ist, wirst du sterben!› Praktisch alle Albaner in meinem Umfeld wollten sich im Frühling impfen lassen. Als aber die ersten Termine für die ältere Gruppe freigeschaltet wurden, waren die meisten völlig überfordert mit diesem System. Oft hörte ich von den Migranten, dass die einheimische Bevölkerung bei den Hausärzten und von den Ämtern bevorzugt behandelt würde. Das hat das Vertrauen in die Regierung belastet. Als genügend Impfstoff verfügbar war, haben sich zwei Effekte gegenseitig verstärkt: Es kursierten Geschichten über angebliche Nebenwirkungen. Zudem fiel der zweite Impftermin in die Sommerferien. Letzteres hat viele dazu veranlasst, die Impfung auf nach den Sommerferien zu verschieben. Die Auswirkung der Sommerferien auf das Impfverhalten wurde wahrscheinlich unterschätzt.» Das Problem mit infizierten Reiserückkehrern beginnt Anfang Juli – mit Schweizer Partytouristen aus Griechenland, Spanien und Zypern. Rund ein Viertel der positiv Getesteten steckt sich damals im Ausland an. Bei den Zürcher Behörden löst die Entwicklung Besorgnis aus. Von einem Game-Changer ist die Rede. Anfang August beschleunigt sich die Entwicklung. Die Zürcher Gesundheitsdirektion registriert eine Verdoppelung der wöchentlichen Fallzahlen: 1200 Corona-Fälle sind es innerhalb von 7 Tagen. Ein Drittel davon sind Reiserückkehrer. Das Durchschnittsalter: 29. Das Bild ändert sich Mitte des Monats, jetzt werden 2312 Personen in Zürich innerhalb einer Woche positiv auf das Coronavirus getestet. Die Hälfte von ihnen ist aus dem Ausland eingereist. Unter den Infizierten sind nun vermehrt auch Reisende aus dem Balkan, insbesondere aus Kosovo. Inzwischen sind die Sommerferien zwar vorbei, und der Anteil der Ferienrückkehrer hat sich wieder reduziert. Doch in den Spitälern füllen sich die Betten mit Patienten, die sich laut Gesundheitsdirektion in Kosovo und Nordmazedonien mit dem Virus infiziert haben. Einer, der diese Entwicklung mit Sorge betrachtet, ist der Zürcher FDP-Politiker Përparim Avdili. Përparim Avdili: «Ich halte das für unsolidarisch» «Es gibt nicht nur Albaner, die nicht geimpft sind. Es ist aber auch kein Zufall, dass ein grosser Teil der Patienten auf den Intensivstationen Wurzeln auf dem Balkan hat. Auch in meinem Umfeld lassen sich viele Personen nicht impfen, obwohl sie seit Monaten die Möglichkeit dazu hätten. Ich halte das für verantwortungslos und unsolidarisch. Viele Albaner haben eine tiefe Abneigung gegenüber dem Staat. Diese Skepsis lässt sich historisch begründen. Die erste Einwanderergeneration hat am eigenen Leib erfahren, dass der Staat nicht immer der Freund war, sondern oft auch der Feind. Zugleich hat es die Schweiz teilweise verpasst, diese Menschen – und zum Teil auch die Secondos – an die hiesige Gesellschaft zu binden, ihnen zu sagen, dass sie dazugehören. Viele Menschen innerhalb der albanischen Community orientieren sich stark an Kosovo. Dort sind derzeit nur um die 15 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, und die Massnahmen werden nicht seriös umgesetzt – das habe ich selbst erfahren, als ich im Sommer dort war. Und die kosovarischen Medien, die für viele Albaner in der Schweiz die primäre Informationsquelle sind, verbreiten Falschmeldungen oder gar Verschwörungstheorien. Dieses Halbwissen wird innerhalb der Bubble konserviert. Das hängt auch damit zusammen, dass ein Imam für viele eine höhere Reputation hat als ein Wissenschafter. Offensichtlich ist es der Schweizer Impfkampagne nicht gelungen, die albanische Community anzusprechen. Es müssen deshalb Albaner zu Wort kommen, die geimpft sind, oder solche, die die Krankheit durchgemacht haben. Die Impfgegner werden wir nicht überzeugen können, aber Personen, die zweifeln, können wir erreichen.» Die Zweifler zu überzeugen versucht auch Kosovos neue Präsidentin. Am Swiss Economic Forum (SEF) in Interlaken rief Vjosa Osmani-Sadriu dazu auf, sich jetzt gegen Covid-19 zu schützen. «Bitte lasst euch alle impfen!», so ihr emotionaler Aufruf an alle Kosovarinnen und Kosovaren in der Schweiz und in der Heimat. Das sei die einzige Option, um mit dieser Pandemie fertigzuwerden. Merita Aliu sieht das anders. Die Zürcher Modeberaterin mit Wurzeln in Kosovo wehrt sich gegen die Impfung. Merita Aliu: «Will mich nicht impfen lassen» «Ich lasse mich nicht impfen. Ganz bewusst. Ich kann dem Ganzen einfach nicht mehr vertrauen. Seit Beginn der Pandemie herrschte nie eine vollständige Transparenz. Ein Beispiel: Erst hiess es, man bekomme nur zwei Spritzen. Jetzt ist bereits die dritte im Gespräch. Meiner Meinung nach ist während dieser Pandemie nicht alles ehrlich und richtig abgelaufen. Ich finde, man hat gewisse Erkenntnisse zurückgehalten, damit die Leute weniger Angst empfinden und somit auch weniger Unsicherheit spüren. Aber dadurch entstehen Missverständnisse – und die Unsicherheit bei der Bevölkerung wächst. In der Schweiz sind wir verwöhnt, was das Gesundheitswesen angeht. Impfungen werden jahrelang getestet, bevor sie erlaubt werden. Und nun wird behauptet, bereits innerhalb eines Jahres, innerhalb einer Pandemie, die richtige Impfung gefunden zu haben. Diese wird auch noch im Eilverfahren zugelassen. Das stimmt mich skeptisch. Es entstehen viele Fragezeichen, somit will ich das meinem Körper und meiner Gesundheit nicht antun. In meinem Umfeld können es gewisse nicht nachvollziehen, dass ich mich nicht impfen lasse. Und ja, ich hätte es einfacher im gesellschaftlichen Leben, wenn ich es täte. Ich will aber nichts riskieren, denn ich habe Angst vor Langzeitfolgen, die heute noch niemand abschätzen kann. Ich verurteile niemanden, der sich impfen lässt. Kritisch finde ich, dass nun ein finanzieller Druck auf Ungeimpfte ausgeübt wird – mit den Tests, die verlangt werden, aber aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Dennoch finde ich, dass der Bund und der Kanton ausländische Communitys besser hätten informieren müssen. Und zwar seit Beginn der Pandemie. Ich kenne einige, die Mühe haben mit der deutschen Sprache und vieles im Zusammenhang mit Corona nicht verstanden haben. Man hätte schon im März 2020 alle vorhandenen Fakten zum Virus in Fremdsprachen übersetzen lassen müssen. Durch das Unwissen entstanden falsche Annahmen und Überzeugungen, die nur noch schwierig zu berichtigen sind. Ich empfehle der Regierung, Klartext mit uns zu sprechen. Seid bitte einfach transparent. Und versucht nicht, übers Portemonnaie Druck auf die Ungeimpften auszuüben. So sind wir hier in der Schweiz nicht aufgewachsen. Dieses Land ist stolz auf die individuelle Freiheit. Und das sollte es auch bleiben.» Nachdem die Zürcher Impfkampagne ins Stocken geraten ist, liegt der Fokus nebst den Jungen und der Landbevölkerung auch bei den Ausländerinnen und Ausländern. Der Kanton kündigte jüngst an, die Glaubensgemeinschaften in die Impfkampagne einzubeziehen. Abduselam Halilovic soll sie dabei unterstützen. Der 29-Jährige ist Seelsorger und Präsident der Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich. Derzeit laufen die Gespräche für das Projekt. Abduselam Halilovic: «Imame rufen zum Impfen auf» «Corona ist bei uns in den Moscheen ständig präsent. Nicht nur wegen der Schutzmassnahmen, die es einzuhalten gilt, sondern auch in Gesprächen und Gebeten. Am letzten Freitagsgebet haben zum Beispiel die Imame der albanischen Moscheen, deren Community die grösste muslimische Bevölkerungsgruppe in der Schweiz darstellt, zum Impfen aufgerufen. Fast alle haben mitgemacht. Es wird auch mit religiösen Argumenten fürs Impfen geworben: Die Gesundheit ist ein hehres Gut, das es zu schützen gilt. Gott ist zwar der ultimative Heiler, aber es ist auch die Pflicht jedes Einzelnen, Übel abzuwenden. Religiöse Argumente gegen die Vakzine habe ich bisher nie vernommen. Es gibt selbstverständlich auch in der muslimischen Gemeinschaft Leute, die sich nicht impfen lassen wollen. Es sind dieselben Vorbehalte zu hören wie im Rest der Schweizer Bevölkerung – von der Angst vor Langzeitfolgen bis hin zu üblen Verschwörungstheorien. Wir haben aber auch viele ältere Gläubige, die sich sehr strikt an die Massnahmen halten und sich deshalb auch impfen liessen. Etwas anders sieht es bei den Jüngeren aus. Ich erlebe, dass es manchmal Diskussionen zwischen Moscheebesucherinnen und -besuchern bezüglich Einhaltung der geltenden Massnahmen gibt. Generell stellen wir aber einen sehr bewussten Umgang in den Moscheen mit den Schutzmassnahmen fest. Die Schweizer Medien fokussieren derzeit stark auf Reiserückkehrer aus dem Balkan, insbesondere aus Kosovo. Die Berichterstattung ist teilweise sehr pauschalisierend. Aber vielleicht reagiere ich auch zu sensibel auf das Thema, weil ich selbst aus Bosnien stamme.» Die Veranstalter des Alba-Festivals reagieren derweil schockiert auf die kurzfristige Absage. Erstmals fand der Event im Sommer 2019 statt. Über 20 000 Besucherinnen und Besucher feierten damals auf dem Zürcher Hardturmareal. Letztes Jahr musste der Anlass wegen der Pandemie verschoben werden. Und nun stehen die Veranstalter erneut vor einer ungewissen Zukunft. In einem Statement auf Facebook äussern sie sich überrascht. «Mit Bestürzung nehmen wir den Entscheid des Regierungsrates zur Kenntnis», heisst es darin. Man werde den Beschluss juristisch prüfen. Es ist das erste Mal, dass der Kanton eine Bewilligung für einen Grossanlass widerruft. Derzeit sind für rund hundert Grossveranstaltungen Bewilligungen erteilt worden. Der Regierungssprecher Andreas Melchior sagt auf Anfrage, der Charakter des Anlasses sei einmalig. «In dieser Grössenordnung gibt es derzeit keine vergleichbare Veranstaltung. Bei Weltklasse Zürich im Letzigrund erscheinen zwar auch 20 000 Zuschauer. Diese sitzen allerdings und können sich nicht frei bewegen.» Auf Schadenersatz können die Veranstalter nicht hoffen. Laut Angaben des Kantons besteht kein Anspruch auf Entschädigung. Auch wenn der Regierungsrat den Entscheid in seiner Mitteilung bedauert, ist klar: Der Schritt wird die Beziehung zur albanischen Gemeinschaft belasten. Aus dem E-Paper vom 03.09.2021
  10. Wenigstens nennt man bei uns noch „Ross und Reiter“, was die Belegung der Intensivbetten nach Nationalität anbelangt. «Ich bin wütend auf die Diaspora» Die Zürcher Regierung entzieht dem grössten albanischen Festival Europas kurzfristig die Bewilligung. Es ist der Tiefpunkt einer aus dem Ruder gelaufenen Entwicklung im Zuge der Corona-Pandemie. Fabian Baumgartner, Linda Koponen, Florian Schoop, Christin Severin Es hätte das grösste Festival der albanischen Kultur werden sollen, die grösste Open-Air-Party der hiesigen Diaspora. Doch nun, kurz vor Beginn, zieht der Zürcher Regierungsrat den Stecker und widerruft eine Bewilligung, die die Justizdirektion bereits erteilt hat. Das Alba-Festival richte sich an eine stark vom Coronavirus betroffene Community, so begründet die Regierung den Schritt. Auf den Intensivstationen der Spitäler befänden sich überdurchschnittlich viele Patienten mit Bezug zum Balkan. Und eine solche Grossveranstaltung führe zu einer zusätzlichen Belastung. Eine Durchführung könne man deshalb nicht verantworten. Es ist der vorläufige Tiefpunkt einer Entwicklung, die sich in den letzten Wochen zugespitzt hat. Dabei sind vor allem Ferienrückkehrer aus Kosovo in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. «Wie Kosovo zum Corona-Hotspot wurde – und die Schweiz mitriss» lautete etwa eine Schlagzeile. «Kater nach dem Partysommer in Kosovo» eine andere. In einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen diese Woche untermauerte Zürichs Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (svp.) diese Entwicklung mit Zahlen. Derzeit hätten zwischen 70 und 80 Prozent der Patienten auf den Intensivstationen einen Migrationshintergrund, sagte sie. Wie ist es dazu gekommen? Und wie erleben Direktbetroffene die gegenwärtige Situation? Wir haben mit vier von ihnen geredet. Eine von ihnen ist Fitore Keller, Treuhänderin, in Zürich wohnhaft. Sie ärgert sich über jene, die sich nicht impfen lassen wollen. Fitore Keller: «Kopflos und sehr egoistisch» «Ich habe mich impfen lassen, weil ich der Wissenschaft vertraue. Kinder und Jugendliche haben stark unter dem Lockdown gelitten. Grosseltern sind vereinsamt. Familienfeste wurden abgesagt. Für mich war daher klar: Ich leiste meinen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie, denn wir sind ein Kollektiv. Es macht mich einerseits betroffen, dass die albanische Community in den Fokus der Medien und schliesslich der Gesellschaft geraten ist. Andererseits bin ich wütend auf die Diaspora, denn sie hat kopflos und sehr egoistisch gehandelt. Sowohl in Kosovo als auch in der Schweiz waren die Fallzahlen vor den Sommerferien niedrig. Danach sind sie explodiert. Gefälschte Zertifikate sind in Kosovo und anderen Ländern ab 50 Euro zu haben. Während sich die Mehrheit an die Regeln hielt, feierten einige Hochzeiten und Partys und nahmen eine weitere Pandemiewelle samt Konsequenzen in Kauf. Während unsere Kosovo-Schweizer die Rega einfliegen lassen, um sich in unseren 5-Sterne-Spitälern von übermüdeten Ärzten und Pflegern behandeln zu lassen, sind die erkrankten Kosovaren völlig auf sich allein gestellt. Das ist nicht okay. Wir müssen das Problem beim Namen nennen. Die Kosovo-Schweizer haben das Virus jedoch nicht zurück in die Schweiz gebracht. Corona war nie weg, wir haben es mit einer weltweiten Pandemie zu tun. Statt einen Sündenbock zu suchen, sollten wir versuchen, die Leute abzuholen, und gemeinsam an einem Strang ziehen. Ich versuche in sozialen Netzwerken, die albanische Community zum Impfen zu motivieren. Diese Kanäle werden von den Albanern sehr intensiv für die Verbreitung von Informationen genutzt. Ich stelle nicht fest, dass es unter den Albanern mehr Impfgegner gibt als unter anderen Nationalitäten. Ich beobachte aber, dass sie fahrlässiger mit den Massnahmen umgehen und das Virus verharmlosen. Einen Spruch, den ich oft unter Albanern höre, ist: ‹Wenn deine Zeit gekommen ist, wirst du sterben!› Praktisch alle Albaner in meinem Umfeld wollten sich im Frühling impfen lassen. Als aber die ersten Termine für die ältere Gruppe freigeschaltet wurden, waren die meisten völlig überfordert mit diesem System. Oft hörte ich von den Migranten, dass die einheimische Bevölkerung bei den Hausärzten und von den Ämtern bevorzugt behandelt würde. Das hat das Vertrauen in die Regierung belastet. Als genügend Impfstoff verfügbar war, haben sich zwei Effekte gegenseitig verstärkt: Es kursierten Geschichten über angebliche Nebenwirkungen. Zudem fiel der zweite Impftermin in die Sommerferien. Letzteres hat viele dazu veranlasst, die Impfung auf nach den Sommerferien zu verschieben. Die Auswirkung der Sommerferien auf das Impfverhalten wurde wahrscheinlich unterschätzt.» Das Problem mit infizierten Reiserückkehrern beginnt Anfang Juli – mit Schweizer Partytouristen aus Griechenland, Spanien und Zypern. Rund ein Viertel der positiv Getesteten steckt sich damals im Ausland an. Bei den Zürcher Behörden löst die Entwicklung Besorgnis aus. Von einem Game-Changer ist die Rede. Anfang August beschleunigt sich die Entwicklung. Die Zürcher Gesundheitsdirektion registriert eine Verdoppelung der wöchentlichen Fallzahlen: 1200 Corona-Fälle sind es innerhalb von 7 Tagen. Ein Drittel davon sind Reiserückkehrer. Das Durchschnittsalter: 29. Das Bild ändert sich Mitte des Monats, jetzt werden 2312 Personen in Zürich innerhalb einer Woche positiv auf das Coronavirus getestet. Die Hälfte von ihnen ist aus dem Ausland eingereist. Unter den Infizierten sind nun vermehrt auch Reisende aus dem Balkan, insbesondere aus Kosovo. Inzwischen sind die Sommerferien zwar vorbei, und der Anteil der Ferienrückkehrer hat sich wieder reduziert. Doch in den Spitälern füllen sich die Betten mit Patienten, die sich laut Gesundheitsdirektion in Kosovo und Nordmazedonien mit dem Virus infiziert haben. Einer, der diese Entwicklung mit Sorge betrachtet, ist der Zürcher FDP-Politiker Përparim Avdili. Përparim Avdili: «Ich halte das für unsolidarisch» «Es gibt nicht nur Albaner, die nicht geimpft sind. Es ist aber auch kein Zufall, dass ein grosser Teil der Patienten auf den Intensivstationen Wurzeln auf dem Balkan hat. Auch in meinem Umfeld lassen sich viele Personen nicht impfen, obwohl sie seit Monaten die Möglichkeit dazu hätten. Ich halte das für verantwortungslos und unsolidarisch. Viele Albaner haben eine tiefe Abneigung gegenüber dem Staat. Diese Skepsis lässt sich historisch begründen. Die erste Einwanderergeneration hat am eigenen Leib erfahren, dass der Staat nicht immer der Freund war, sondern oft auch der Feind. Zugleich hat es die Schweiz teilweise verpasst, diese Menschen – und zum Teil auch die Secondos – an die hiesige Gesellschaft zu binden, ihnen zu sagen, dass sie dazugehören. Viele Menschen innerhalb der albanischen Community orientieren sich stark an Kosovo. Dort sind derzeit nur um die 15 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, und die Massnahmen werden nicht seriös umgesetzt – das habe ich selbst erfahren, als ich im Sommer dort war. Und die kosovarischen Medien, die für viele Albaner in der Schweiz die primäre Informationsquelle sind, verbreiten Falschmeldungen oder gar Verschwörungstheorien. Dieses Halbwissen wird innerhalb der Bubble konserviert. Das hängt auch damit zusammen, dass ein Imam für viele eine höhere Reputation hat als ein Wissenschafter. Offensichtlich ist es der Schweizer Impfkampagne nicht gelungen, die albanische Community anzusprechen. Es müssen deshalb Albaner zu Wort kommen, die geimpft sind, oder solche, die die Krankheit durchgemacht haben. Die Impfgegner werden wir nicht überzeugen können, aber Personen, die zweifeln, können wir erreichen.» Die Zweifler zu überzeugen versucht auch Kosovos neue Präsidentin. Am Swiss Economic Forum (SEF) in Interlaken rief Vjosa Osmani-Sadriu dazu auf, sich jetzt gegen Covid-19 zu schützen. «Bitte lasst euch alle impfen!», so ihr emotionaler Aufruf an alle Kosovarinnen und Kosovaren in der Schweiz und in der Heimat. Das sei die einzige Option, um mit dieser Pandemie fertigzuwerden. Merita Aliu sieht das anders. Die Zürcher Modeberaterin mit Wurzeln in Kosovo wehrt sich gegen die Impfung. Merita Aliu: «Will mich nicht impfen lassen» «Ich lasse mich nicht impfen. Ganz bewusst. Ich kann dem Ganzen einfach nicht mehr vertrauen. Seit Beginn der Pandemie herrschte nie eine vollständige Transparenz. Ein Beispiel: Erst hiess es, man bekomme nur zwei Spritzen. Jetzt ist bereits die dritte im Gespräch. Meiner Meinung nach ist während dieser Pandemie nicht alles ehrlich und richtig abgelaufen. Ich finde, man hat gewisse Erkenntnisse zurückgehalten, damit die Leute weniger Angst empfinden und somit auch weniger Unsicherheit spüren. Aber dadurch entstehen Missverständnisse – und die Unsicherheit bei der Bevölkerung wächst. In der Schweiz sind wir verwöhnt, was das Gesundheitswesen angeht. Impfungen werden jahrelang getestet, bevor sie erlaubt werden. Und nun wird behauptet, bereits innerhalb eines Jahres, innerhalb einer Pandemie, die richtige Impfung gefunden zu haben. Diese wird auch noch im Eilverfahren zugelassen. Das stimmt mich skeptisch. Es entstehen viele Fragezeichen, somit will ich das meinem Körper und meiner Gesundheit nicht antun. In meinem Umfeld können es gewisse nicht nachvollziehen, dass ich mich nicht impfen lasse. Und ja, ich hätte es einfacher im gesellschaftlichen Leben, wenn ich es täte. Ich will aber nichts riskieren, denn ich habe Angst vor Langzeitfolgen, die heute noch niemand abschätzen kann. Ich verurteile niemanden, der sich impfen lässt. Kritisch finde ich, dass nun ein finanzieller Druck auf Ungeimpfte ausgeübt wird – mit den Tests, die verlangt werden, aber aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Dennoch finde ich, dass der Bund und der Kanton ausländische Communitys besser hätten informieren müssen. Und zwar seit Beginn der Pandemie. Ich kenne einige, die Mühe haben mit der deutschen Sprache und vieles im Zusammenhang mit Corona nicht verstanden haben. Man hätte schon im März 2020 alle vorhandenen Fakten zum Virus in Fremdsprachen übersetzen lassen müssen. Durch das Unwissen entstanden falsche Annahmen und Überzeugungen, die nur noch schwierig zu berichtigen sind. Ich empfehle der Regierung, Klartext mit uns zu sprechen. Seid bitte einfach transparent. Und versucht nicht, übers Portemonnaie Druck auf die Ungeimpften auszuüben. So sind wir hier in der Schweiz nicht aufgewachsen. Dieses Land ist stolz auf die individuelle Freiheit. Und das sollte es auch bleiben.» Nachdem die Zürcher Impfkampagne ins Stocken geraten ist, liegt der Fokus nebst den Jungen und der Landbevölkerung auch bei den Ausländerinnen und Ausländern. Der Kanton kündigte jüngst an, die Glaubensgemeinschaften in die Impfkampagne einzubeziehen. Abduselam Halilovic soll sie dabei unterstützen. Der 29-Jährige ist Seelsorger und Präsident der Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich. Derzeit laufen die Gespräche für das Projekt. Abduselam Halilovic: «Imame rufen zum Impfen auf» «Corona ist bei uns in den Moscheen ständig präsent. Nicht nur wegen der Schutzmassnahmen, die es einzuhalten gilt, sondern auch in Gesprächen und Gebeten. Am letzten Freitagsgebet haben zum Beispiel die Imame der albanischen Moscheen, deren Community die grösste muslimische Bevölkerungsgruppe in der Schweiz darstellt, zum Impfen aufgerufen. Fast alle haben mitgemacht. Es wird auch mit religiösen Argumenten fürs Impfen geworben: Die Gesundheit ist ein hehres Gut, das es zu schützen gilt. Gott ist zwar der ultimative Heiler, aber es ist auch die Pflicht jedes Einzelnen, Übel abzuwenden. Religiöse Argumente gegen die Vakzine habe ich bisher nie vernommen. Es gibt selbstverständlich auch in der muslimischen Gemeinschaft Leute, die sich nicht impfen lassen wollen. Es sind dieselben Vorbehalte zu hören wie im Rest der Schweizer Bevölkerung – von der Angst vor Langzeitfolgen bis hin zu üblen Verschwörungstheorien. Wir haben aber auch viele ältere Gläubige, die sich sehr strikt an die Massnahmen halten und sich deshalb auch impfen liessen. Etwas anders sieht es bei den Jüngeren aus. Ich erlebe, dass es manchmal Diskussionen zwischen Moscheebesucherinnen und -besuchern bezüglich Einhaltung der geltenden Massnahmen gibt. Generell stellen wir aber einen sehr bewussten Umgang in den Moscheen mit den Schutzmassnahmen fest. Die Schweizer Medien fokussieren derzeit stark auf Reiserückkehrer aus dem Balkan, insbesondere aus Kosovo. Die Berichterstattung ist teilweise sehr pauschalisierend. Aber vielleicht reagiere ich auch zu sensibel auf das Thema, weil ich selbst aus Bosnien stamme.» Die Veranstalter des Alba-Festivals reagieren derweil schockiert auf die kurzfristige Absage. Erstmals fand der Event im Sommer 2019 statt. Über 20 000 Besucherinnen und Besucher feierten damals auf dem Zürcher Hardturmareal. Letztes Jahr musste der Anlass wegen der Pandemie verschoben werden. Und nun stehen die Veranstalter erneut vor einer ungewissen Zukunft. In einem Statement auf Facebook äussern sie sich überrascht. «Mit Bestürzung nehmen wir den Entscheid des Regierungsrates zur Kenntnis», heisst es darin. Man werde den Beschluss juristisch prüfen. Es ist das erste Mal, dass der Kanton eine Bewilligung für einen Grossanlass widerruft. Derzeit sind für rund hundert Grossveranstaltungen Bewilligungen erteilt worden. Der Regierungssprecher Andreas Melchior sagt auf Anfrage, der Charakter des Anlasses sei einmalig. «In dieser Grössenordnung gibt es derzeit keine vergleichbare Veranstaltung. Bei Weltklasse Zürich im Letzigrund erscheinen zwar auch 20 000 Zuschauer. Diese sitzen allerdings und können sich nicht frei bewegen.» Auf Schadenersatz können die Veranstalter nicht hoffen. Laut Angaben des Kantons besteht kein Anspruch auf Entschädigung. Auch wenn der Regierungsrat den Entscheid in seiner Mitteilung bedauert, ist klar: Der Schritt wird die Beziehung zur albanischen Gemeinschaft belasten. Aus dem E-Paper vom 03.09.2021
  11. Und es werden noch viel bessere kommen…! Ich sage nur! „Khyberpass!“ O.K, war jetzt sehr böse!
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