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Drei Bücher über Preußische Zündnadelgewehre von Wolfgang Finze


EkelAlfred
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Wolfgang Finze ist der Author dreier Bücher zu diesem Thema, die in den Jahren 2016, 2017 und 2018 erschienen und meiner Ansicht nach des Lesens wert sind.

Der erste Band „Preußische Zündnadelgewehre – Leitfaden für angehende Schützen“ bietet auf 193 Seite eine Einführung in das Thema, „Preußische Zündnadelgewehrein Deutschland 1861-1871 und die Aptierung nach Beck“ geht auf 213 Seiten schon deutlich mehr in die Tiefe. Das letzte Werk „Schiessen mit preußischen Zündnadelgewehren“ ist nur noch ein „Büchlein“, daß den Interessierten auf 53 Seiten mit Praxistipps versorgt.

Interessant sind die Zündnadelgewehr aus meiner persönlichen Sicht auch deshalb, weil sie praktisch innerhalb weniger Jahrzehnte von absolut fortschrittlicher „Space Age Technik“ in  „Schnee von vorgestern“ verwandelten, wenn ich das mal so sagen darf.

 

Nachdem Dreyse seit 1827 experimentiert hatte, führte die Preußische Armee in 1841 sein Zündnadelgewehr ein, wobei man es aber wohl erst 1848 in größeren Stückzahlen beschaffte und praktischerweise gleich die Badische Revolution 1849 blutig niederschlagen konnte.

 

Und nicht nur dort schrieb das Gewehr deutsche Geschichte: So interessant das technische Konstrukt auch ist, es wird nebenbei auch zweifelsfrei deutlich, das Preußen nicht mehr und nicht weniger als das war, was man heute als „Schurkenstaat“ bezeichnet …..

 

Die Bücher sind durchgehend mit Fotos und Zeichnungen versehen, die aber alle in schwarz-weiß gehalten sind.

 

Ich finde dieses Thema und die Ausführungen von Herrn Finze sehr interessant und bedauere einmal mehr, daß es keine (oder keine bezahlbaren) Replikate dieser Waffen gibt, mit denen man unbesorgt schießen gehen könnte.

 

Zweifellos wäre dies ein ebenso zünftiges Vergnügen wie die Nutzung der amerikanischen Sharps-Gewehre, die als meist italienische Repliken verfügbar sind.

 

 

 

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vor 5 Stunden schrieb EkelAlfred:

es wird nebenbei auch zweifelsfrei deutlich, das Preußen nicht mehr und nicht weniger als das war, was man heute als „Schurkenstaat“ bezeichnet …..

Das sehe ich anders:

Richtiger wäre "Preußen hat andere Staaten als 'Schurkenstaaten' bezeichnet und mit dieser Begründung überfallen und sich einverleibt (bzw. aus diesen Überfällen wirtschaftliche Vorteile gezogen)."

Oder hat jemand die USA als "Schurkenstaat" bezeichnet?

Eher funktionierte das doch so oder so ähnlich: dem anderen etwas unterstellen ("Der Irak hat Massenvernichtungswaffen."), ihn in eine "Falle" locken (Emser Depesche) und dann "zuschlagen".

 

Dazu befehle (manchmal bricht's noch durch ;)) empfehle ich

"1866: Bismarcks deutscher Bruderkrieg: Königgrätz und die Schlachten auf deutschem Boden"

Sorry4OT

 

Edited by TriPlex
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vor 5 Stunden schrieb EkelAlfred:

... und bedauere einmal mehr, daß es keine (oder keine bezahlbaren) Replikate dieser Waffen gibt, mit denen man unbesorgt schießen gehen könnte.

Wo läge denn bei einem Nachbau das Problem?

Technisch ist das Zündnadelgewehr doch eher einfach aufgebaut.

Der Nachbau z.B. eines Spencer-Gewehres dürfte wesentlich aufwändiger sein.

 

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vor 24 Minuten schrieb TriPlex:

Wo läge denn bei einem Nachbau das Problem?

Es gibt mehrere Probleme:

  •  Der Markt ist zu klein. Zündnadel (Dreyse) ist ein rein deutsches Thema, das in anderen europäischen Ländern auf ein eher geringes, in den USA auf so gut wie kein Interesse stoßen würde.
  •  Damit die Replika "in der Szene" auch akzeptiert würde, müsste sie das korrekte Kaliber und das korrekte Feld-Zug-Profil haben. Die üblichen Kaliber wie .45", .54" oder .58" würden da ausscheiden, was die Lauffertigung verteuern würde.
  •  In einigen europäischen Ländern sind Zündnadelwaffen (wegen ihrer Einheitspatrone) nicht frei erwerbbar.
  •  Es gibt in keinem größeren Verband eine passende Disziplin dafür
  •  Ein Nachbau müsste neu konzipiert werden. Neue Maschinen, neue Fertigungsstrecken. Damit würde der Nachbau wahrscheinlich teurer werden als ein Original.  
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vor 34 Minuten schrieb TriPlex:

… Der Nachbau z.B. eines Spencer-Gewehres dürfte wesentlich aufwändiger sein.

Der "Nachbau" des Spencer-Gewehrs zeigt das eigentliche Problem. Man hat das Gewehr für moderne Patronen mehr oder weniger korrekt nachgebaut (die originalen Spencer-Patronen fertigt niemand mehr). Moderne Kaliber fördern zwar den Absatz, historisch korrekt sind sie aber nicht. Außerdem kann der Spencer-Nachbau problemlos bei den Unterhebel-Disziplinen eingesetzt werden, es gibt also Disziplinen dafür. 

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vor 9 Minuten schrieb EkelAlfred:

Und vor allem: Technisch sind die Chassepots den Dreyses erheblich überlegen und beide leisten durchaus nicht die Präzision, die man heute gewohnt ist. ...

Beide Waffensysteme schießen besser als man so allgemein denkt,  aber selbst zu ihren besten Zeiten wurden Zündnadel-Waffen so gut wie nie als Scheibenbüchsen verwendet. 

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vor 5 Minuten schrieb EkelAlfred:

Und vor allem: Technisch sind die Chassepots den Dreyses erheblich überlegen und beide leisten durchaus nicht die Präzision, die man heute gewohnt ist.

 

Aus Klaus Müller (Ares-Verlag) "1866: Bismarcks deutscher Bruderkrieg":

 

Angriff der 1. Württembergischen Infanteriebrigade auf (Tauber-)Bischofsheim am 24. Juli 1866 gegen die - die Stadt besetzenden - preußischen Verbände; Kampf an und auf der Mainbrücke:

"Obwohl die Württemberger zwischen 14.30 und 17.00 Uhr mehrere Versuche unternahmen, um zunächst wieder in den Besitz der strategisch wichtigen Mainbrücke zu gelangen, scheiterten ihre Vorhaben am Schnellfeuer der modernen preußischen Zündnadelgewehre".

 

Dafür haben die Dreyses also ausgereicht.

Leider. 

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Übrigens gibt es auch ein Buch zum bayerischen Podewils Gewehr.

 

Die Bayern hatten eine Art Zylinderverschluss für eine Papierpatrone, an der hinten ein Perkussionszündhütchen angesetzt war.

 

Dies wurde beim Laden abgenommen und auf ein aussenliegendes Piston gesetzt.

 

Vor vielen Jahren hatte Gebu mal ein einziges Replikat im Shop; leider wahr das schon weg, als ich angerufen hatte,

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vor 4 Stunden schrieb EkelAlfred:

Dann fang mal an zu basteln!

Ich nix Handwerker!

Zwei linke Hände und an jeder Hand fünf Daumen.

Mäuse schubsen und Bleistifte abbrechen geht gerade so, ohne mich dabei selbst erheblich zu verletzen.

 

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vor 4 Stunden schrieb alter_Opa:

Es gibt mehrere Probleme:

Das ist mir schon klar.

Wobei ich dar Argument "nicht frei erwerbbar" nicht gelten lasse, denn das dürfte in den meisten (europäischen) Ländern für eine Vielzahl von Nachbauten (auch modernerer Systeme) gelten, die trotzdem Absatz finden.

 

vor 4 Stunden schrieb alter_Opa:

Ein Nachbau müsste neu konzipiert werden. Neue Maschinen, neue Fertigungsstrecken. Damit würde der Nachbau wahrscheinlich teurer werden als ein Original.

Ist das nicht bei (fast) jedem Nachbau so?

Bei den ganzen (halbwegs originalen) Nachbauten historischer Vorderlader war das doch im Prinzip genau so - oder steht irgendwo noch eine originale "Fertigungsstrecke" des Schlosses eines Modèle 1777 modifié an IX?

Einerseits die heutigen Lohnkosten, andererseits die heutigen Fertigungsmöglichkeiten.

 

vor 4 Stunden schrieb alter_Opa:

Damit die Replika "in der Szene" auch akzeptiert würde, ...

vor 4 Stunden schrieb alter_Opa:

Der "Nachbau" des Spencer-Gewehrs zeigt das eigentliche Problem. Man hat das Gewehr für moderne Patronen mehr oder weniger korrekt nachgebaut (die originalen Spencer-Patronen fertigt niemand mehr).

Beim Zündnadelgewehr ist es ein No-Go, beim Spencer nicht - widerspricht sich das nicht?

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vor 4 Stunden schrieb EkelAlfred:

Und vor allem: Technisch sind die Chassepots den Dreyses erheblich überlegen ...

Und? Was hat's dem Franzmann genutzt? :teu38:

 

vor 4 Stunden schrieb EkelAlfred:

... und beide leisten durchaus nicht die Präzision, die man heute gewohnt ist.

Das tun Luntenschloss-Musketen auch nicht - und dennoch gibt es Disziplinen dafür.

 

vor 4 Stunden schrieb EkelAlfred:

Dennoch ein schönes Thema.

Dann solltest Du mal in Sömmerda vorbei schauen - da gibt (oder gab es zumindest vor gar nicht zu vielen Jahren) Schießen mit Zündnadelgewehren - IIRC auch für Gäste.

(Hat hier jemand aktuelle Infos dazu?)

 

Und wenn Du originale "preußische Langbleie" suchst, dann wüsste ich wo Du fündig werden könntest:

Bei dem Weiler Neuwirtshaus (bei Hünfeld, an der heutigen B84) ... die Preußen erwarteten aus Stellungen am Waldrand die bayerischen Truppen ...

Ich hab' mir das mal angesehen, da kann man heute noch gut nachvollziehen, wer in der besseren Lage war. "Gebuddelt" habe ich dort allerdings nicht.

 

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vor 11 Stunden schrieb TriPlex:

... in Sömmerda vorbei schauen - da gibt (oder gab es zumindest vor gar nicht zu vielen Jahren) Schießen mit Zündnadelgewehren - IIRC auch für Gäste.

(Hat hier jemand aktuelle Infos dazu?)

Die Ausschreibung zur DM Zündnadel am 25.04.2020 in Sömmerda gibt es hier:
http://www.schmids-zuendnadelseite.de/18_DM_13_Dreysepistolenpokal_2020.pdf

Da steht auch was über zulässige Waffen, Gäste und Leihwaffen und eine Mailadresse, bei der man sich informieren kann.

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vor 11 Stunden schrieb TriPlex:

Moderne Kaliber … Beim Zündnadelgewehr ist es ein No-Go, beim Spencer nicht - widerspricht sich das nicht?

Nein.

  • Spencer-Waffen verschossen Metallpatronen mit Randzündung. Die gibt es zwar nicht mehr, aber in der Replika werden moderne Metallpatronen mit Zentralfeuerzündung verwendet. Dazu werden das Kaliber, der Verschluss und das (innere) Laufprofil der Replika verändert und an die moderne Patrone angepasst,
  • Zündnadelgewehre verschossen Einheitspatronen mit einer Hülle aus Papier. Es gibt keinerlei moderne Munition, die in ihrem Aufbau auch nur annähernd der Zündnadelpatrone entspricht.

    

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Ich meinte nicht den Punkt, dass es für das nachgebaute Spencer in nicht-originalen Kalibern Munition gibt und für das Zündnadelgewehr nicht, sondern den Punkt, dass ein Zündnadelgewehr mit abweichender Laufbohrung (weil man für einen Nachbau eben verfügbare Laufprofile nehmen müsste - wer könnte schon in Kleinserie Läufe mit dem originalen Innenprofil herstellen und zu welchen Kosten) Deiner Meinung nach nicht akzeptiert würde, während das bei anderen Modellen offensichtlich kaum jemand zu stören scheint.

Ein Rolling Block in .357 Magnum verkauft(e) sich ja scheinbar auch.

Mag ja sein, dass das in den entsprechenden Kreisen so ist, aber mit Logik hat das dann nichts zu tun.

 

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