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Was ist "PC"?


Greenhorn

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An anderer Stelle wird ziemlich heftig gegen "Political Correctness" gewettert. Mich verwundert das irgendwie, immerhin handelt es sich doch größtenteils um wohlerzogene Menschen. Persönlich mag' ich den Begriff - diese neumodische Namensgebng - auch nicht, vielleicht sollte man aber beginnen zu sehen/verstehen, dass eigentlich nichts anderes als "Höflichkeit" handelt.

Das inhaltliche Wettern gegen "PC" ist also im Wesentlichen ein Aufruf zur Unhöflichkeit. "Behandle Deine Freunde korrekt, zu Gegnern darfst Du ruhig unhöflich sein (um nicht zu sagen: "Gegner darfst Du ruhig beschimpfen)" In logischer Konsequenz: "Pflege Deine Feindschaften, denn wenn Du Feinde hast, gibst Du Deinen Freunden ein starkes Thema und verhinderst das Nachdenken über eigene Schwächen und Verbesserungsmöglichkeiten."

Eine Haltung die normalerweise auf Machterhalt ausgerichtet ist, nicht auf dem Suchen und Finden nach der Lösung (selbst)gestellter Aufgaben.

Oh ja, es ist schon richtig, man braucht sich von anderen nicht vorschreiben zu lassen, wie "Political Correctness" auszusehen hat. Jedoch: als es noch "Höflichkeit" hieß und man dazu im Knigge nachgelesen hat, fühlte sich niemand unter der Knute, sondern man hat nach eigenem Ermessen mehr oder eben auch weniger diese Höflichkeitsregeln akzeptiert. Ohne sich deshalb gegen das Prinzip des höflichen Umgangs mit seinen Mitmenschen (heute eben in tatsächlich unglücklichem Anglizismus "Prinzip der Political Correctness)" zu wenden.

Nur eine bescheidene, persönliche Überlegung...

Gruß

Greenhorn

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Nein, PC ist nicht das selbe wie Höflichkeit.

Political Correctness bedeutet, dass es ein Meinungsdiktat gibt, dem man sich in Form und/oder Inhalt unterwirft.

Allerdings sollten Leute, die prinzipiell politisch unkorrekt denken und reden, das nicht für automatisch richtig und gut halten.

Regeln der Höflichkeit oder der Ethik werden viel zu oft als "PC" abgebügelt. Eine Mißachtung der PC ist zwar oft verständlich und wünschenswert, jedoch sollte das kein Freibrief für beleidigende, rassistische, revisionistische oder in irgendeiner Form schädliche Äusserungen sein.

Gesunder Menschenverstand (falls vorhanden ;) ) ist gefragt.

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Na ja. Von der ursprünglichen Absicht hast Du vielleicht recht. Bei PC ging es darum bestimmte, diskriminierende, Ausdrücke nicht mehr zu verwenden um den betroffenen Personenkreis, der als benachteiligt empfunden wurde, nicht (noch mehr) zu beleidigen. Es fing mit "Schwarzen" an und dann "Frauen" etc.

Wenn es nur um Höflichkeit ginge wäre die ganze PC Bewegung eigentlich überflüssig. Was als gute Idee begann hat sich zu einer Art Meinungsterror entwickelt und das Gegenteil bewirkt. "Man" darf eigentlich nichts mehr sagen, was nicht "PC" ist, also diskutiert man Probleme nicht mehr auf breiter Basis und öffentlich sondern zieht sich zurück und redet nur mit Leuten die derselben Meinung sind ....und was dort gesagt wird ist sicher nicht "PC".

Ich für meinen Teil finde es besser Probleme offen anzusprechen und nicht wegen angeblichen "PC" das Kind nicht beim Namen zu nennen..

Just my 2 cents.

Gruss Trigger

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Ein Einwand, Wahrsager!

Früher 'mal hatten Kinder mit ihren Eltern "Per Sie" zu sein, "Frau Mutter", "Herr Vater" waren die vorgeschriebenen Anreden. Was als "Höflichkeit" oder eventuell auch "Unhöflichkeit" empfunden bzw. vorgeschrieben wird, entspringt genauso einem Meinungsdiktat wie die "PC". In beiden Fällen gab und gibt es vernünftige Komponenten, unvernünftige, und auch abzulehnende Auswüchse. Letzteres garnicht zu knapp.

Umgekehrt aber ist es logisch, daß ein "Höflichkeits-" oder "PC-Katalog" in Zeiten globaler und interkultureller Kommunikation anders auszusehen hat als in Zeiten, wo man gerade 'mal mit einigen Herrschern auf dem eigenen Kontinent in engeren Verhandlungen stand. Ein internationaler "Höflichkeits-Katalog" wird auch nicht nur Elemente einer Kultur enthalten können, sonst sind wir noch mehr beim Diktat als dies heute der PC gerne vorgeworfen wird.

Ich sehe das Problem weniger in der Schaffung von PC-Regeln als vielmehr in der Tatsache, daß die Realisierung meist in unfähiger, inkompetenter Hand liegt, so wie auch Rechtschreibreformen und andere Dinge mehr. Was dann aber bedeutet: Nicht das Prinzip, sondern die Umsetzung ist schlecht. Ein völlig anderer Ansatzpunkt, der auch andere Reaktionen verlangt.

Gruß

Greenhorn

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Ich finde, es werden mittlerweile beide "Totschlagargumente" fast mehr in die andere Richtung eingesetzt.

Person A sagt etwas

Person B widerspricht oder beschwert sich über die Aussage von A

Person A beschwert sich über die "Keule" und würgt dadurch die weitere Diskussion ab.

Natürlich gibt es PC oder Nazikeule als unzulässiges Totschlagargument.

Das heisst aber nicht, dass jeder Widerspruch gegen diskriminierende Äusserungen automatisch ungerechtfertigt ist und als "Keule" abqualifiziert werden kann. Damit macht man es sich sehr einfach und ist kein Stück besser als z.B. ein falschparkender Ausländer, der sich bei der Politesse über Rassismus beschwert.

@ Greenhorn:

Es gibt natürlich Überschneidungen und es kommt auch darauf an, wie man den Ausdruck "PC" definiert. Meist ist damit die übertriebene Korrektheit gemeint, es ist also ein negativ besetztes Wort.

Wenn z.B. Mohrenköpfe "Schokoküsse" heissen müssen, dann ist das für mich übertriebene PC.

Wenn aber jemand verallgemeinerndund pauschal (!) über Ausländer herzieht und ich dagegen widerspreche, dann hat das für mich nichts mit diktierter PC zu tun sondern es entspringt meiner Abneigung gegen Verallgemeinerungen und meinem Gerechtigkeitssinn.

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[...]Ich sehe das Problem weniger in der Schaffung von PC-Regeln als vielmehr in der Tatsache, daß die Realisierung meist in unfähiger, inkompetenter Hand liegt, so wie auch Rechtschreibreformen und andere Dinge mehr. Was dann aber bedeutet: Nicht das Prinzip, sondern die Umsetzung ist schlecht. [...]
Hallo Greenhorn,

politisch und korrekt sind zwei Begriffe, die sich ausschließen. Schon daher kann das Prinzip nicht funktionieren.

Politik und Höflichkeit sind zwei Begriffe, die sich ausschließen. Auch daher kann das Prinzip nicht funktionieren.

Aber Du hast natürlich vollkommen Recht, daß Höflichkeit die Grundlage jeglicher Kommunikation sein sollte. Damit hat die heute sog. „political correctness“ leider gar nichts zu tun. Dahinter verstecken sich nur Schlagworte, die das Thema tabuisieren und von der eigentlichen Problematik ablenken sollen.

Da Du aber aus der österreichischen Ecke kommst, sind einige Begriffe bei Euch durchaus anders (und oft positiver) belegt. Zum Verständnis solltest Du Dir vielleicht vorstellen, daß alleine der Begriff Höflichkeit von einem Wiener um einige Nuancen anders verstanden wird als vom Rest.

Liebe Grüße

fa

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Na ja, wenn "Mohrenköpfe 'Schokoküsse' heissen müssen", dann ist das für mich Dummheit - freundlich ausgedrückt. In logischer Konsequenz müsste man dann mit "Wiener-" bzw. "Frankfurter Würstel" weitermachen, mit dem "Franzosen" und "Engländer" als Werkzeug, - Ende nie!

Wer hat der PC diese Image gebracht, das sie heute ohne Zweifel hat? Wer profitiert davon wirklich?

Ansonsten auch schon 'mal Danke für die interessanten Meinungen. Man lernt nie aus!

Das meine ich zwar wirklich so - stelle mir aber gleichzeitig die Frage, wie Viele das wohl als PC-motivierte Äußerung betrachten! :unsure:

Häufig ist die Wahrheit nicht bei einer der möglichen Richtungen zu suchen, sondern (mathematisch nicht ganz exakt :rolleyes:) die Summe aller Richtungen.

Gruß

Greenhorn.

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Hallo Greenhorn!

Ich hoffe, das wird keine Endlos-Debatte wie an anderer Stelle.

Im großen und ganzen stimme ich deinem Eingangsposting zu.

Meine Einstellung zur pc ist in oben nicht erwähntem Forum nachzulesen.

Wem dies (mit recht) zu mühsam ist ein kurzes Statement:

pc ist m.E. ein neue/andere Form der Höflichkeit. Natürlich ist es ein Schlagwort und wird als solches

1) oft

2) gerne

mißverstanden.

Die Ablehnung von pc wird gerne damit begründet

1) sich nicht den Mund verbieten zu lassen

2) nicht feig zu sein

3) daß man doch wohl die Wahrheit sagen darf.

Das wärs dann auch schon.

Grüße cowroper

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:rolleyes: Interessant dabei ist, dass von jenen die PC ablehnen offenbar doch auch wieder PC verlangt wurde oder vielleicht auch noch wird, sonst würden sich nicht so viele Leute zwangsläufig hier wiederfinden. :rolleyes:

Ansonsten hätte ich nichts gegen eine "Endlosdebatte", wenn sie lehrreich und interessant ist. ;)

Deiner Sichtweise, cowroper, gebe ich soweit recht. Gerne übersehen wird - um dort anzuschließen wo Du aufgehört hast -, daß:

1) Sich ohnehin niemand den Mund verbieten lassen soll,

2) Auch Feigheit von niemandem verlangt wird,

3) es absolut richtig und erwünscht ist, die Wahrheit zu sagen.

ALLERDINGS ist es normalerweise zielführend, zur Vermittlung der vom jeweiligen Redner/Autor angesprochenen Inhalte so zu formulieren, daß er von den Angesprochenen auch verstanden wird. Nicht also die Inhalte so geändert werden, daß sie den Angesprochenen gefallen, sondern deren Präsentation so gewählt wird, daß den Angesprochenen die Ausrede "Politisch unkorrekt, das hören wir uns garnicht an!" genommen wird. Also:

1) man soll sprechen- keine Rede Mund verbieten lassen!

2) Mut ist verlangt, da man die Diskussion mit Gegnern erzwingt, während man ansonsten - vielleicht ganz bewußt? - Diskussionsverweigerung bewirkt! Wie die Praxis oft genug bestätigt hat.

3) Die Form der Präsentation entscheidet kaum darüber, ob man inhaltlich bei der Wahrheit bleibt oder nicht.

Wird obiges verweigert, bleiben IMHO nicht viele Möglichkeiten:

a) ich irre mich, und "die Anderen" haben recht.

b ) Man spricht bewußt eine ganz bestimmte Zielgruppe an, auf welche die Formulierungen abgestimmt sind. Man wählt also die "PC" einer definierten engen Zielgruppe, die restliche Welt wird - ganz bewußt - ignoriert. Vielleicht sogar bewußt vor den Kopf gestoßen, um in den eigenen Reihen zu punkten. Inzest statt Öffnung.

c) Man versteht noch weniger als ich, wie Kommunikation heute funktioniert. Was kaum vorstellbar ist, weil bei mir schon nahe Null - gerade genug um zu erkennen wenn jemand mehr versteht.

Gruß

Greenhorn

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@geraldo

Richtig. Mit dem Vor-Wort "politisch" ist es ein Schlagwort geworden und von beiden Seiten (den politisch Korrekten und den politisch Unkorrekten) gerne mißbraucht.

Wer korrekt handelt braucht nicht politisch korrekt handeln.

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BTW, @Wahrsager: in meiner Kindheit (*1957) (in Deiner jetzigen Heimatstadt verbracht) waren "Negerküsse" und "Mohrenköpfe" zwei verschiedene Süßspeisen. "Negerküsse" waren das, was jetzt nach PC-Neusprache "Schaumküsse" heißt, also süßer Eiweißschaum auf Waffelboden mit Schokoüberzug. "Mohrenköpfe" waren ein Gebäck aus Schokoladenteig mit Schokoüberzug und noch mit Kakao bestäubt, optisch ähnlich der italienischen "Tartufo"-Eisspezialität. Ob es die alten "Mohrenköpfe" in Hamburg heute noch zu kaufen gibt und unter welcher Bezeichnung weiß ich leider nicht. Die anderen Dinger nenne ich übrigens meistens immer noch "Negerküsse".

Gruß aus Berlin, Jake C.

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Das wirkliche Problem zu diesem Thema entstand erst, als man zur Korrektheit das Wort "Politische" addierte... erst da wurde die Eigenschaft Korrektheit vor den Karren von verdrehten Ideen gespannt.

:icon14:

Genau das !

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BTW, @Wahrsager: in meiner Kindheit (*1957) (in Deiner jetzigen Heimatstadt verbracht) waren "Negerküsse" und "Mohrenköpfe" zwei verschiedene Süßspeisen. "Negerküsse" waren das, was jetzt nach PC-Neusprache "Schaumküsse" heißt, also süßer Eiweißschaum auf Waffelboden mit Schokoüberzug. "Mohrenköpfe" waren ein Gebäck aus Schokoladenteig mit Schokoüberzug und noch mit Kakao bestäubt, optisch ähnlich der italienischen "Tartufo"-Eisspezialität. Ob es die alten "Mohrenköpfe" in Hamburg heute noch zu kaufen gibt und unter welcher Bezeichnung weiß ich leider nicht. Die anderen Dinger nenne ich übrigens meistens immer noch "Negerküsse".

Gruß aus Berlin, Jake C.

Hier um die Ecke gibt es eine altmodische Konditorei, da werde ich mal fragen, wenn ich vorbeikomme. :)

Bei uns hiessen die "Schaumküsse" Mohrenköpfe und so nenne ich sie noch immer. <_<

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