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Zu: Im Kreuzfeuer der Medien


andreb

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Zitat des Resümees aus aerzteblatt.de:

"Für die Medien ist die Berichterstattung ein Spagat

Die Forderung, nach Amoktaten ähnlichen Prinzipien der Berichterstattung zu folgen, wie sie seit Längerem für die Berichterstattung über Suizide empfohlen werden, erscheint an dieser Stelle durchaus gerechtfertigt. Allein schon die Quantität der Berichterstattung zu reduzieren, könnte einen präventiven Effekt haben. Falls – wie bei mehr als 50 Prozent der Fälle – Anzeichen für eine psychiatrische Erkrankung des Amokläufers bestehen, sollte dies ebenso genannt werden wie adäquate Hilfsangebote. Eine Glorifizierung oder Dämonisierung des Amokläufers sollte vermieden werden. Darüber hinaus sollten Informationen über die Tatwaffe in keinem Fall detailliert preisgegeben werden.

Das „Recht auf Information“ und eine „Schadensvermeidung“ ist ein Spagat für die Medien. Im Fall des Amoklaufs in Winnenden musste sich eine verantwortungsvolle, zurückhaltende Berichterstattung im Sinne einer Prävention von Folgetaten im Angesicht des „öffentlichen Interesses“ wohl hinten anstellen.

Dipl.-Psych. Tanja Neuner

Dipl.-Psych. Bettina Hübner-Liebermann

Dr. med. Helmut Hausner"

Das sagt ja wohl alles.

Und kein Wort über den privaten Waffenbesitz. - Warum auch?

Gruß,

André

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Ja. Leider hilft es nicht.

Für sinnvolle Beiträge sind Politiker leider nicht zugänglich.

Das ist unter anderem deswegen so schlimm, weil es garantiert wieder einen Amoklauf geben wird - aus dem ganz einfachen Grund, weil eben niemand mal etwas sinnvolles dagegen unternimmt.

Ach, übrigens:

Vor ein paar Tagen wollte eine Schülerin an ihrer Schule mit Molotovcocktails und Messern einen "Amoklauf" durchführen und wurde durch reinen Zufall gestoppt.

Molotovcocktails sind nach dem Waffengesetz verbotenen Gegenstände. .....

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Daher verstehe ich auch das Ansinnen des Aktionsbündnisses Winnenden nicht, den Opfern ein Gesicht zu geben und nicht den Tätern.

Beiden sollte, so schlimm das für Opfer und Hinterbliebene klingt, kein Gesicht gegeben werden. Denn auch dadurch wird Berichterstattung provoziert und es werden Nachahmer, nicht TRITTBRETTFAHRER, auf den Plan gerufen.

(Wer in dem Zusammenhang auf "Trittbrettfahrer" gekommen ist, hat eh einen an der Waffel. Der Begriff paßt doch wohl überhaupt nicht, nur so nebenbei bemerkt).

Auch anhand von Opferfotos kann ein Nachahmungseffekt entstehen. Das wurde auch schon mehrfach von Expertenseite deutlich gemacht.

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Solche Untersuchungen gibt es über Selbstmorde, auch über Terrorismus (auch Doc Schiller hat dazu mal was in einem Buch geschrieben).

Und neulich habe ich ja das hier gepostet:

Eine jüngere Untersuchung über Anstiftungseffekte bei Flugzeugentführungen von Holden (1986) kam beispielsweise zu dem Ergebnis, daß jede Entführung in den USA, mit der die Geiselnehmer erfolgreich finanzielle oder politische Forderungen durchsetzen konnten, in den nächsten 44,8 Tagen etwa zwei Nachahmungstaten auslöste. Fünfundachtzig Prozent aller Flugzeugentführungen zwischen 1968 und 1972 in den USA ließen sich so erklären. Allerdings ging nur von erfolgreichen Entführungen ein Anstiftungseffekt aus. Dies lässt sich mit der sozialen Lerntheorie gut vereinbaren. Die von den Nachahmungstätern subjektiv wahrgenommene "Belohnung" (nämlich eine erfolgreiche Entführung) erhöht die Bereitschaft zur Nachahmung.

(Brosius/Esser, "Eskalation durch Berichterstattung? Massenmedien und fremdenfeindliche Gewalt", Westdeutscher Verlag 1995)

Im Falle der Amokläufe ist die Belohnung ganz klar Aufmerksamkeit, Publicity, Heroisierung.

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Auch anhand von Opferfotos kann ein Nachahmungseffekt entstehen. Das wurde auch schon mehrfach von Expertenseite deutlich gemacht.

Hans Derer ist nach eigenem Bekunden ja auch ein Experte.

Fragt sich eben nur wofür.

abs4

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@wahrsager

"Allerdings ging nur von erfolgreichen Entführungen ein Anstiftungseffekt aus."

Wenn man von, evtl. mit Waffengewalt, erfolgreich abgewehrten Geiselnahmen, Entführungen und Überfällen genauso "ausführlich informiert" werden würde, könnte das ja abschreckend wirken und man hat dann irgendwann nix mehr zu berichten, weil sich keiner mehr traut, ein Verbrechen zu begehen. Dann müßten wohl oder übel die Journalisten selbst... (aber lassen wir das...)

Berichte aus Ländern, die ihren Bürgern die Möglichkeit sich zu verteidigen erlauben, das wäre eine schöne Sache für die AG und um der deutschen breiten Masse zu zeigen, so gehts auch.

Vielleicht kann man ja mal eine kleine Sammlung dazu zusammenstellen.

Ich erinnere mich an ein kleines Filmchen aus einem israelischen Supermarkt. Vorne an der Kasse wollte sich jemand eine in der Schlange stehende Frau als Geisel nehmen. Das hat genau 4 Sekunden gedauert, dann mußte er das Vorhaben aufgeben und hat sich zur ewigen Ruhe auf den Boden des Supermarktes fallen lassen.

Ist sicherlich extrem.

Aber wieviele Verbrechen werden alleine durch das Drohen mit einer Schußwaffe verhindert? - oder könnten damit verhindert werden?

Gruß,

André

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Ich verstehe, was Du sagen willst, aber wir müssen das Thema SV nun wirklich nicht in jedem Thread ausbreiten, auch wenn gewisse Leute, die hier was zu sagen haben, mittlerweile nix anderes im Sinn zu haben scheinen.

Nimm's nicht persönlich, aber mir geht die Omnipräsenz dieses Themas mittlerweile auf den Sack.

Hier im Thread geht es um die Mitverantwortung der Medien für Amoktaten.

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Guest 33689

Für eine mediale Berichterstattung muss ein Vorfall so spektakulär wie nur irgendwie möglich sein.

Je mehr tote, umso besser.

Über den Vorfall in Winnenden wird noch immer berichtet. Egal ob es in Sendungen wie gestern Frontal21 ist, oder ob es darum geht, dass die Schüler der Winnender Schule die Schule nun wieder besuchen.

Der Amoklauf wird konstant erwähnt.

Was ist aber mit dem Ziwschenfall nahe Hannover? eine Woche später? Ein Forstarbeiter erschiesst Frau und Kinder mit einer Ruger.

Ach ja, ich vergaß, ist nicht spektakulär genug, da die Waffen illegal im Besitz des Täters waren.

Was ist mit dem Fall Eislingen. Dieser Fall war so dermaßen Brutal und Abgebrüht durchgeführt worden, aber die Tatwaffen waren ja aus dem Schützenverein geklaut worden. Also wird darüber nicht mehr berichtet.

Auch der Fakt, dass in dem Moment, als Tim K. die Beretta seines Vaters an sich genommen hatte, aus einer legalen Waffe, eine Illegale wurde. Aber auch das interessiert nicht weiter, oder wird noch groß erwähnt, dass die Waffe Vorschriftswiedrig aufbewahrt wurde?

Die Journalisten und Reporter sind wie Geier und Hyänen, die über Opfer und Täter herfallen und so nur noch mehr Schaden anrichten.

Täter werden wie Helden behandelt. Opfer wie Täter. Pietätlosigkeit ist an der Tagesordnung.

Durch die Medien erscheinen Trittbrettfahrer, immer und immer wieder.

Wann wird den Medien gegenüber mal Machtwort gesprochen?

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Wann wird den Medien gegenüber mal Machtwort gesprochen?

Um ein Haar hätten wir heute auch keine Kanzlerin:

"„Warum sind Sie denn nicht aus der DDR ausgereist“, fragt Maischberger. Merkel verweist auf ihre familiären Bindungen. Und: „Für mich war die Bundesrepublik das bessere System.“ Aber letztlich haben wohl kleinere Ängste den Ausschlag gegeben, zu bleiben. So habe sie im Fernsehen viele Tatorte gesehen: „Ich wusste nicht, ob man als Frau allein im Hotel übernachten kann“ Also war das reißerische Westfernsehen schuld, dass die spätere Kanzlerin nicht schon in ganz jungen Jahren rübergemacht hat..."

http://www.handelsblatt.com/politik/deutsc...-schuld;2284767

Sachen gibts.... :huh:

abs4

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Was ist aber mit dem Ziwschenfall nahe Hannover? eine Woche später? Ein Forstarbeiter erschiesst Frau und Kinder mit einer Ruger.

Ach ja, ich vergaß, ist nicht spektakulär genug, da die Waffen illegal im Besitz des Täters waren.

Was ist mit dem Fall Eislingen. Dieser Fall war so dermaßen Brutal und Abgebrüht durchgeführt worden, aber die Tatwaffen waren ja aus dem Schützenverein geklaut worden. Also wird darüber nicht mehr berichtet.

Sittensen, Duisburg, Rüsselsheim, ...

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DAS waren doch Polizisten, die wild durch die Gegend schossen, um Wildschweine der Innenstadt zu verweisen. :confused:

Nein, ich meine das hier:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,571708,00.html

Übrigens, alle Opfer der drei von mir genannten Morde waren Ausländer (Griechen, Italiener, Vietnamesen...). Man sollte mal die Grünen fragen, warum sie sich nicht für diese Taten interessieren.

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Was ist aber mit dem Ziwschenfall nahe Hannover? eine Woche später? Ein Forstarbeiter erschiesst Frau und Kinder mit einer Ruger.

Ach ja, ich vergaß, ist nicht spektakulär genug, da die Waffen illegal im Besitz des Täters waren.

Was ist mit dem Fall Eislingen. Dieser Fall war so dermaßen Brutal und Abgebrüht durchgeführt worden, aber die Tatwaffen waren ja aus dem Schützenverein geklaut worden. Also wird darüber nicht mehr berichtet.

Auch der Fakt, dass in dem Moment, als Tim K. die Beretta seines Vaters an sich genommen hatte, aus einer legalen Waffe, eine Illegale wurde. Aber auch das interessiert nicht weiter, oder wird noch groß erwähnt, dass die Waffe Vorschriftswiedrig aufbewahrt wurde?

..was war damals (so ca. um 1950) mit dem Amoklauf in einer Schule, als "Waffe" einen Flammenwerfer?

Da gab es noch keine Ballerspiele, "Farbkugelschießen" etc., und es gab min. 10x so viele Waffen in priv. Haushalten!!!

Das könnten die Medien doch auch mal bringen?!

Das wäre doch mal ein schönes "Kreuzfeuer" zwischen den Medien!

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Guest 33689

Fakt ist, dass die Medien sich fürsolche Vorfälle nur dann interessieren, wenn sie Einschaltquoten riechen.

Bedeutet, der Fall Winnenden ist deshalb interessant, da die Tatwaffe legal dem Vater des Täters gehört hat. Ergo=Böse Sportschützen

Die von wahrsager genannten Vorfälle fallen sozusagen unter das Tagesgeschäft. Die ganz normale Tageskriminalität. War schon mehr wie genug in den Medien. Da ist nichts zu holen.

Eislingen, wäre normalerweise, aufgrund der kaltblütigkeit, die die beiden Jugendlichen an den Tag gelegt haben, eine super Storry, nur waren die Jungs schwul und die Tatwaffen geklaut.

Also Diskriminierend und die Tatwaffen illegal. Lieber die Finger davon lassen und es gibt dafür keine Sündenböcke.

etc.etc.etc

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Genau diese einseitige Berichterstattung aber ist das Problem! Nur von den Journalisten will das keiner hören. Im Gegenteil als Reaktion von Hinweisen aus Leserbriefen/Mails auf Taten mit illegalen Waffen, kommen da immer die absurdesten Beschönigungen oder es wird völlig ignoriert und die Erfrut oder Winnenden "Keule" ausgepackt... wenn eine Antwort überhaupt zurück kommt. Gibt es eigentlich auch noch anderer Ansichten als immer nur die "Kreuzrittermeinung" bei diesen Leuten?

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Zitat des Resümees aus aerzteblatt.de:

"Für die Medien ist die Berichterstattung ein Spagat

Die Forderung, nach Amoktaten ähnlichen Prinzipien der Berichterstattung zu folgen, wie sie seit Längerem für die Berichterstattung über Suizide empfohlen werden, erscheint an dieser Stelle durchaus gerechtfertigt. Allein schon die Quantität der Berichterstattung zu reduzieren, könnte einen präventiven Effekt haben. Falls – wie bei mehr als 50 Prozent der Fälle – Anzeichen für eine psychiatrische Erkrankung des Amokläufers bestehen, sollte dies ebenso genannt werden wie adäquate Hilfsangebote. Eine Glorifizierung oder Dämonisierung des Amokläufers sollte vermieden werden. Darüber hinaus sollten Informationen über die Tatwaffe in keinem Fall detailliert preisgegeben werden.

Das „Recht auf Information“ und eine „Schadensvermeidung“ ist ein Spagat für die Medien. Im Fall des Amoklaufs in Winnenden musste sich eine verantwortungsvolle, zurückhaltende Berichterstattung im Sinne einer Prävention von Folgetaten im Angesicht des „öffentlichen Interesses“ wohl hinten anstellen.

Dipl.-Psych. Tanja Neuner

Dipl.-Psych. Bettina Hübner-Liebermann

Dr. med. Helmut Hausner"

Sie haben IMHO völlig recht.

Der reißerische Bodensatz (der leider größer zu werden scheint) wird sich aber nicht darum scheren.

Warum auch? Das Ziel ist Kasse zu machen. Irgendwelche Anflüge von Anstand oder Nachdenken über die Folgen der eigenen Ergüsse opfert man gerne dafür. Und nützt die allmächtige Keule der Pressefreiheit dafür. :bad:

Politiker fürchten die Presse viel zu sehr um angesichts der Zustände auch nur mahnend den Finger zu heben.

Und so dreht sich die Spirale der Beihilfe zur nächsten Amoktat durch die Medien munter weiter...

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