Geht sogar noch verrückter, wenn Banken Überweisungen blockieren.
Aus Hamburger Abendblatt:
Hamburg Als George Orwell in den 1940er-Jahren seinen visionären Roman „1984“ über einen totalitären Überwachungsstaat schrieb, konnte er nicht ahnen, was Tugendwächter uns im Internet-Zeitalter heute zumuten. Der harmlose Onlinekauf eines Buches kann schnell zum Verdacht krasser Kriminalität führen.
Geschehen aktuell in der Nähe von Hamburg. Auf dem Wunschzettel stand ein Klassiker der Literatur: der Roman „Der Leopard“. Die berühmte Geschichte vom Verfall einer sizilianischen Adelsfamilie wurde mehrfach erfolgreich verfilmt, 1963 mit Claudia Cardinale, zuletzt als Miniserie bei Netflix.
Im heimischen Regal war das Werk verschwunden, also wurde es bestellt. Die Ausgabe auf Italienisch erreichte per Post schnell den Empfänger – über ein Portal für gebrauchte Bücher, von privat an privat. So wurde auch die deutsche Version „Der Leopard“ geordert. Doch leider konnte das Buch nicht verschickt werden. Der Grund: Die Überweisung, verdächtige 4,35 Euro, war zwar abgebucht, doch der Betrag kam nicht beim Verkäufer an.
Der äußerte einen Verdacht. Denn über ein anderes Buch, mit dem Titel „Schnee“ des Nobelpreisträgers Orhan Pamuk, war ihm kürzlich eine Ausführungssperre verhängt worden. Seine Bank prüfte zwei quälende Wochen, ob mit „Schnee“ gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen werden sollte.
„Vielleicht fällt ,Der Leopard‘ unter das Ausfuhrverbot seltener Tiere“, scherzte er. Ein Nachforschungsantrag löste den Fall: „Ihre Überweisung ist aufgrund des Verdachts des Handels mit exotischen Tieren blockiert worden.“ Neun Tage brauchte die Bank bis zur Entwarnung. Kleiner Tipp an deren Mitarbeiter: Lesen bildet.