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IGNORED

Der große Gun-Man geht ab: Charlton Heston


tanzbaer

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aus der WELT von heute

Leider mit verbalen Diffamierungen , etwas süffisantem Spott und einer klaren Intention des Autors Uwe Schmitt gewürzt !

> Der Vorsitzende der National Rifle Association in den USA und frühere Hollywood-Star gibt sein Amt auf. Der Waffennarr ist an Alzheimer erkrankt -

Porträt

von Uwe Schmitt

Heston in seiner Funktion als Präsident der National Rifle Association (NRA)vor einem US-Regierungskomitee

Foto: dpa

Washington - Mit kleinen Aufschreien des Entzückens und der tränennassen Rührung begleiteten viertausend Gläubige in Orlando ihren maladen Vorsitzenden auf seinem letzten öffentlichen Gang. Nicht ohne Stützung schaffte es Charlton Heston an das Mikrophon. Nicht ohne Anstrengung stemmte der Achtundsiebzigjährige sein Abschiedsgeschenk der "National Rifle Association" (NRA) mit der Rechten über dem Kopf, eine Winchester, Jahrgang 1866. Nicht ohne Einflüsterung seines Stellvertreters Wayne LaPierre besann sich der geistesabwesend Lächelnde darauf, noch einmal den Eid zu leisten, dass die Waffe dereinst "nur aus meiner kalten, toten Hand" zu entwinden sei. Die Alzheimer-Krankheit wird dafür sorgen, dass er den Schwur bricht.

Niemand konnte so überzeugend und biblisch zornesbebend "From my cold, dead hands" ausrufen wie der in Führungsrollen erfahrene Filmstar Charlton Heston alias Moses alias El Cid alias Ben Hur. Niemand bezichtigte ihn je unaufrichtiger oder zynischer Motive, wenn er den zweiten Verfassungszusatz, das Recht, Schusswaffen zu besitzen und zu tragen, noch vor den ersten - der Meinungsfreiheit - stellte. Seit 1998 hatte Heston Amerikas Waffenlobby Gesicht und Stimme geliehen.

Aus der Konfrontation mit der Clinton-Regierung und wider alle Waffenkontrollgesetze des Kongresses führte Heston die NRA nach der Identitätskrise infolge der Schüler-Massaker von Columbine im Frühjahr 1999. Auf über vier Millionen Mitglieder schwoll der Verband nach dem 11. September 2001 an - ein heiliges Datum für alle Waffenbrüder, die daran glauben, dass, erstens, die Regierung die Bürger nicht schützen kann und dass sie, zweitens, in einem unbewaffneten Amerika unverzüglich eine Diktatur errichten würde. Es ficht die Gemeinde um Heston nicht an, dass an jedem Tag in Amerika mehr als ein Dutzend Kinder und Jugendliche an Schusswunden sterben. Menschen töten, nicht Waffen, heißt ein Mantra, das Schießeisen - ihre geschätzte Zahl im Privatbesitz schwankt zwischen 60 und 200 Millionen - die Wärme von Haustieren andichtet. "Es war eine wunderbare Amtszeit. Ich werde Euch vermissen." Es gibt keinen Grund, an der subjektiven Wahrhaftigkeit dieser beiden von vier Sätzen zu zweifeln, die sich Charlton Heston am Samstag noch einmal abrang.

Es hatte schon einige Zeit lang Spott über seine Aussetzer, Versprecher, auch über sein gelegentlich kurioses, von einer billig wirkenden Perücke entstelltes Aussehen gegeben, als der NRA-Chef im August 2002 in einer ebenso selbstironischen wie melodramatischen Krankmeldung alle verstummen ließ. Nach dem Vorbild Ronald Reagans, den Heston verehrt, verabschiedete er sich von einem Leben auf der Bühne und der Leinwand. Er könne wohl das Rote Meer teilen, aber niemals sich von seinem Publikum trennen. Stolz sei er, einst für John F. Kennedy und Martin Luther Kings Bürgerrechtsbewegung marschiert zu sein. "Und wenn ich Ihnen in Zukunft eine lustige Geschichte zum zweiten Mal erzähle, lachen Sie bitte trotzdem."

Im politischen Geschäft der mächtigsten Lobby Amerikas verstand Heston keinen Spaß. Er wandte sich gegen jede Haftung der Waffenindustrie für das mit ihrer Ware (Schnellfeuergewehren, nicht Sportgewehren) angerichtete Unheil. Mit viel Geld und Druck auf den Kongress will die NRA erreichen, dass das vorläufig bis 2004 befristete Verbot halbautomatischer Waffen nicht verlängert wird. Auch ohne Heston wird der Verband, der im Wahlkampf 2000 seine Kandidaten mit zwanzig Millionen Dollar unterstützte, nicht wesentlich an Einfluss verlieren. Unsichere Zeiten stärken die Aufrüstungsideologie der amerikanischen Bürgerwehr, nicht die Sache der "Pseudo-Patrioten", wie Heston zuletzt Irak-Kriegsgegner nannte.

Den Waffennarren der NRA wird ihr großer Wagenlenker (Oscar für Ben Hur 1959) fehlen. In Hollywood hat Charlton Heston seit Jahren nur noch kleine Abschiedsrollen gegeben. Zuletzt spielte er einen italienischen Josef Mengele und trat in Tim Burtons Remake vom "Planet der Affen" auf. Die führende Anti-Waffen-Aktivistin Sarah Brady nannte Charlton Heston zum Abschied einen "würdigen Gegner". Gegen solche Freundlichkeiten kann er sich nicht mehr wehren. <

Artikel erschienen am 28. Apr 2003

http://www.welt.de/data/2003/04/28/80422.html?s=1

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Das er den zweiten über den ersten Verfassungszusatz gestellt hat, davon habe ich nicht mitbekommen. Er hat ihn immer so gesehen wie er auch gedacht war, der zweite als Schutz für den ersten.

Ein Verbot von Halbautomaten in den USA ist wohl auch an mir vorrüber gegangen. Das hat er wohl ein wenig mit der Magazinbeschränkung auf 10 Schuß verwechselt.

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In Antwort auf:

Ketzerisch gesagt könnte der Papst sich daran ein Beispiel nehmen.
rolleyes.gif

Ein Gast


Der gleiche Gedanke kam mir auch.

In Antwort auf:

die daran glauben, dass, erstens, die Regierung die Bürger nicht schützen kann


Kann sie es etwa???

*lol*

Gruß André

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