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Fragen zu US-Säbel und Schwert


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Moin zusammen,

 

ich habe hier zwei US-Säbel und ein Schwert.

 

Der US-Kavalleriesäbel von 1865 ist aufgrund seiner Markierungen leicht zuzuordnen. Hier stellt sich mir nur die Frage nach dem Wert.

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Aus welcher Zeit ist der Säbel von Horstmann und wo wurde er eingesetzt? Auch hier stellt sich mir die Frage nach dem Wert.41066135be.jpg

 

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Und dann noch dieses Schwert ohne jegliche Markierungen. Wer kann das irgendwie zuordnen? Bitte auch den Wert.

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Vielen herzlichen Dank und viele Grüße

 

Frank

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Mach mal bitte Detailfotos des Schwertes mit Holzgliedermaßstab dran. Sind auf der Klinge Schmiedemarken (gute Klingen haben so gut wie immer eine), ist es geschliffen, wie dick ist die Klinge, hat es eine Hohlkehle, wie lang ist die, aus was ist das Parier, wie ist der Knauf befestigt, wie ist die Form des Knaufes, lässt sich die Klinge biegen, gibt es eine Scheide dazu...

 

Vor allem: was wiegt es? Das ist der Optik nach ein Schwert zur anderhalben Hand und darf irgendwo zwischen 1,3 und 1,6 kg wiegen wobei der Balancepunkt ca 10cm vor dem Parier liegen sollte.

 

Vom Wert kann es zwischen billiger  Wanddeko aus der Massenfertigung für einen 50er oder ein Original für 2000,-€ aufwärts liegen.

 

Das zu beurteilen braucht es detaillierte Fotos. Ich kenne Spezialisten die den Wert bestimmen können wenn es sich nicht um neuzeitlichen Dekoramsch handelt.

 

Letzteres ist schnell zu erkennen: der Knauf lässt sich oft abschrauben. Bei einem echten Schwert ist der mit dem Erl vernietet, wobei der Erl den Niet bildet.

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Hallo Asgard,

 

vielen Dank für deine sehr ausführliche Hilfestellung.

 

Der Knauf lässt sich abschrauben und wenn ich dich richtig verstanden habe, handelt es sich deswegen um ein Deko-Schwert und erübrigt alle Antworten auf deine Fragen, oder?

 

VG

 

Frank

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Nicht unbedingt. Es kann durchaus auch ein Schaukampfschwert sein. Ich bin mir ziemlich sicher dieses Schwert, besser gesagt die Art der Ausführung, schon mal irgendwo gesehen zu haben. Wie sieht das Gewinde bzw der Erl aus? Wie ist das Gehilz gearbeitet?

 

Modernes metrisches oder zölliges Gewinde, aus dem Erl heraus gearbeitet oder angeschweißt? Gehilz lässt sich mit geringem Kraftaufwand abziehen? Kern aus Holz, mit Schnur gewickelt und dann beledert? Leder geklebt oder vernäht? Echtes Leder oder Kunstleder?

 

Das ist der Grund warum ich schon im ersten Beitrag nach Detailfotos fragte ;) Dann nochmal die Frage: Ist es scharf? Deko haben manchmal eine fast scharfe Schneide ähnlich einem Aufstrichmesser und Schaukampf sind, nein müssen stumpf sein.

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Hier siehst Du die Stärke der Klinge. Sie ist von beiden Seiten Stumpf. Sie hat keine Scheide und keine Hohlkehle. Ist aber symmetrisch.

 

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Das Gewinde hat einen 6mm Durchmesser, hat aber eine höhere Steigung als die metrische Schraube daneben. 

 

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Der Griff ist aus Holz und hat innen einen Vierkant, der mit viel Spiel auf dem Außenvierkant des Schwertes sitzt. Fest wird das nur durch das anziehen des Knaufes.

 

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Gesamtlänge ist knappe 87 cm. Die Klinge läßt sich auch biegen, geht aber immer wieder zurück.

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Ok, danke für die Bilder. Für mich - gut ich bin kein Experte, ich könnte sofern Interesse besteht Spezialisten befragen- ist das definitiv ein Dekostück. Passt mit dem birnenförmigen Knauf und der schlanken Klinge optisch ins frühe 15. Jhdt, ist aber für ein Bastardschwert/ Anderhalbhänder dieser Zeit viel zu kurz. Die Länge findet sich eher bei früheren Einhandschwerten. Weiteres Indiz für eine Dekostück ist unabhängig zum geschraubten Knauf der Holzgriff ohne jegliche Belederung. Kenne ich so nicht weder aus Museen noch aus der Literatur.

 

Verlassen wir das europäische Festland findet sich in Schottland etwas das sowohl der Form des Pariers als auch des Knaufes nahe kommt. Nämlich das Schwert des William Wallace für das rund 200 Jahre nach der Herstellung eine Reparatur mit der völlig untypischen, aber in diesen Zeitraum und die Region passenden Knauf nachgewiesen ist.

 

Ich tippe ganz vage auf einen im Zug der 1995 ausgelösten Bravehart- Manie gefertigten Nachbau. Aber auch hier gilt: es ist zu kurz.

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Hallo Asgard,

 

vielen Dank für deine bisherigen Mühen und für deine Antworten. Sofern Du es auf dich nehmen möchtest, frag doch bitte mal deine bekannten Spezialisten.

 

Die drei Blankwaffen sind aus dem Nachlass meines Schwiegervaters, der ein großer Waffensammler (vorwiegend Colt) war. Aus seiner kürzlich entdeckten Korrespondenz habe ich gelesen, dass er sich auch um die Herkunft bemüht und leider nichts herausgefunden hat. Er beschrieb das Schwert als kein "Hau drauf-Schwert" sondern als "Stech-Schwert". 

 

Viele Grüße

 

Frank

 

 

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So. Die Antwort des Experten ist da.

 

Es ist ein Dekoschwert und entspricht keinem genauen historischen Vorbild. Aber: es spricht einiges dafür, dass es in der Zeit des deutschen Historismus entstand. Das macht es wiederum interessant, denn Ende des 19. Jahrhunderts erwachte in Deutschland in höheren bürgerlichen und adeligen Kreisen die Begeisterung für das Mittelalter mit seinen ritterlichen Ideale, dem Ehrenkodex, der Mildtätigkeit gegenüber Schwachen und Armen. Suche mit dem Stichwort Rheinromantik und natürlich Historismus danach.

 

In dieser Zeit wurden einige Burgruinen neu in einem idealisierten Bild einer wehrhaften Burg aufgebaut, Paradebeispiel dafür ist zB Schloss Braunfels. Dafür brauchte es natürlich Ausstattung. Kleine Anekdote: ohne den vorher gehenden Historismus und einen geschichtsbesessenen deutschen Kaiser gäbe es zB das neu aufgebaute Kohortenkastell Saalburg in Hessen nicht.

 

Für einen Sammler dieser Zeit möglicherweise interessant, ich würde es, soll es verkauft werden, bei Hermann Historica bewerten lassen. Für die Reenactor- oder Living Historyszene ist es ungeeignet, dort wird auf detailgetreue Repliken von Originalstücken gesetzt.

 

Oder hänge es dir selbst an die Wand, aus dem Historismus gibt es noch einiges was sich damit gut macht. Eine Besichtigung des Schlosses in Braunfels kann ich empfehlen.

 

Ganz wichtig: lass es wie es ist!

Edited by Asgard
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Hallo Asgard,

 

Du bist unglaublich! 🙂 Vielen herzlichen Dank für dein Engagement in dieser Sache. 

 

Da sich meine Sammelleidenschaft auf alte luftgekühlte Volkswagen beschränkt, geht das Schwert in den Verkauf. Daran rum basteln werde ich sicher nicht, das bleibt wie es ist.

 

Hermann Historica ist mir bekannt. Darüber wurde die Colt-Sammlung meines Schwiegervaters verkauft.

 

Viele Grüße und nochmals vielen Dank.

 

Frank

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