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IWÖ Newsletter vom 31.08.2007 "Querschüsse"


reini

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Die Querschüsse haben sich aus den „aktuellen“ Beiträgen der IWÖ entwickelt. Ursprünglich nur Themen, die mit Waffenrecht und der diesbezüglichen Politik zu tun hatten, hat das nach und nach ein Eigenleben bekommen. Das ist manchmal so und man kann das auch nicht immer steuern.

Jedenfalls erscheinen jetzt die „Querschüsse“ unter meiner persönlichen Verantwortung. Es wird nach wie vor Gastbeiträge geben – gezeichnet oder ungezeichnet - wie es mir gerade gefällt.

Alles, was hier erscheint, kann kostenlos vervielfältig und verbreitet werden. Eine Quellenangabe ist aber erforderlich, eine Spende an die IWÖ wäre anständig.

Reaktionen sind erwünscht (iwoe@iwoe.at). Beantworten werde ich, was geht. Wenn aber keine Antwort kommt, heißt das nicht, daß ich die Reaktion nicht gelesen habe. Ich lese alles.

Für den Inhalt verantwortlich:

Dr. Georg Zakrajsek

Museumstraße 5

A-1070 Wien

Lesestoff

Jemand hat mir einen Ausschnitt aus der Zeitschrift „Aula“ zugeschickt. Unter dem Titel: „Waffenbesitz als geeignetes Mittel zur Verbrechensbekämpfung“ wird da in der Ausgabe Juli/August 2007 über die Tatsache berichtet, daß in den USA die Freigabe des Waffentragens für die unbescholtenen Bürger zu einem drastischen Rückgang der Gewaltverbrechen und der Vermögensdelikte geführt hat. In Florida etwa ist die Mordrate seit 1987 um 55% gesunken, in den Bundesstaaten – inzwischen sind es über vierzig, die das Concealed Carry Permit eingeführt haben – liegt der Rückgang der Verbrechensrate ähnlich hoch.

Im wesentlichen hat die „Aula“ die Studie von Professor Lott zitiert, die unter dem Titel: „More Guns, less Crime“ diese Entwicklung dargestellt hat. Bisher stand so etwa noch nie in einer österreichischen Zeitschrift, die IWÖ-Nachrichten einmal ausgenommen. Der Artikel ist gut recherchiert und schlüssig; am Ende stellt der Autor die Frage, ob man einen solchen Versuch nicht in unseren Landen auch machen sollte.

Wird schon nicht sein, denn bei uns liebt man die Verbrecher und will sie nicht in Gefahr bringen oder ihnen gar die Existenzgrundlage entziehen, indem man den Opfern Verteidigungsmöglichkeiten einräumt.

Ich lese die „Aula“ sonst nicht. Bei uns in Österreich muß man das aus Gründen des Selbstschutzes betonen. Würde ich als Leser der „Aula“ entlarvt, stünde ich ja flugs auf einer Liste, auf der man bei uns besser nicht stehen sollte, wenn man in der Öffentlichkeit seinen guten Ruf behalten möchte.

Also bitte: die „Aula“ nicht lesen. Man erfährt vielleicht sonst Dinge, die aus gutem Grund in anderen Zeitungen nicht stehen.

Studieren geht über Probieren

Studien sind sehr modern und man kann damit nicht nur eine schöne Stange Geld verdienen, sondern auch berühmt werden.

Das erfordert Planung. Man muß ein Thema finden, das erstens nicht nur in allen Zeitungen und im ORF gut ankommt und zweitens auch den Politikern gefällt.

Die drei Mediziner Etzersdorfer, Kapusta und Sonneck haben das perfekt gemacht. Thema: Selbstmorde und Waffenbesitz. Das Ergebnis stand natürlich schon fest, bevor die Studie in Angriff genommen wurde und verkauft war sie auch schon.

Es sollte bewiesen werden, daß privater, legaler Waffenbesitz die Selbstmordrate steigert und auch zu mehr Gewalttaten führt. Und natürlich wurde das auch bewiesen. Zwar hat man so gut wie alle Regeln, die eine seriöse Studie auszeichnen, mißachtet. Macht aber nichts, denn hier zählt allein das Ergebnis.

Die Studienautoren haben das Ergebnis publizistisch verwertet, die Journalisten haben das alle gefressen – ohne zu fragen, wie das Ergebnis wirklich zustande gekommen ist. Details wurden nicht preisgegeben mit der fadenscheinigen Ausrede, die Studie wäre noch nicht in der erforderlichen Form veröffentlicht worden. Ein frecher Schmäh.

Ich glaube, wir werden auch gar nicht in den Genuß kommen, die Studie in ihrer ganzen Pracht zu sehen. Die Autoren wären nämlich damit bis auf die Knochen blamiert und der Zweck ist ohnehin schon erreicht worden – die Medien haben brav den Unsinn nachgeplappert und das Honorar ist wahrscheinlich auch schon geflossen.

Ich bin kein Wissenschaftler. Ich habe mir aber auch einmal die Zahlen der Selbsttötungen angeschaut:

Seit 1982 sind die kontinuierlich gesunken von über 2000 im Jahr 1982 bis knapp 1400 im Jahr 2005, nachzulesen im Statistischen Jahrbuch Österreich aus dem Jahr 2007. Von 1982 bis 1999 ist aber die Zahl der Waffendokumente (die Studienautoren nehmen auch diese Meßzahl) stark gestiegen, die Selbsttötungen sind aber weiter im selben Ausmaß gesunken. Und als ab dem Jahr 1999 die Zahl der Waffendokumente unter dem Einfluß des neuen Waffengesetzes zu sinken begann, blieb die Tendenz bei den Selbsttötungen erhalten – sie sanken weiter wie vorher.

Wenn ich nun 1999 in diese Statistik einsteige – was die Studie tut – kann ich tatsächlich behaupten, die beiden Tendenzen wären voneinander abhängig. Ist zwar ein Unsinn, durch die Entwicklung bis 1999 widerlegt. Aber wenn man lügen will, kann man das mit einer Statistik hervorragend tun.

Wir leben halt in einer Zeit, wo Wissenschaft manchmal zur Lüge wird. Aber nicht immer kommt man so leicht auf die Lügen drauf.

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Homepage: www.iwoe.at

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