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Artikel in "Die Zeit": Paintball-Verbot - Ein Sieg für die Waffenlobby


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Paintball-Verbot

Ein Sieg für die Waffenlobby

Von Markus Horeld | © ZEIT ONLINE 11.5.2009 - 15:25 Uhr

Als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden will die Große Koalition Paintball verbieten. Das Waffenrecht rührt sie kaum an – und setzt auf sinnlose Symbolpolitik

Große Zufriedenheit herrscht dieser Tage bei den Innenpolitikern der Großen Koalition. Nach wochenlangen Beratungen wollen sie endlich die richtige Antwort auf die Frage gefunden haben, welche Konsequenzen der Staat aus dem Amoklauf von Winnenden zu ziehen habe.

Wer allerdings gehofft hatte, die Großkoalitionäre würden das Nahe liegende tun und verhindern, dass Jugendliche überhaupt noch tödliche Schusswaffen in die Hände bekommen, der darf sich wundern: Es wird weiterhin erlaubt sein, großkalibrige Waffen im heimischen Waffenschrank zu lagern. Auch der Vorschlag, wenigstens die Munition aus Privatwohnungen zu verbannen, ist vom Tisch. Jugendliche dürfen weiter im Schützenverein das Zielen üben, ab 18 Jahren gern auch mit großkalibrigen Waffen.

Statt der Sportschützen und ihren scharfen Waffen haben die Großkoalitionäre ein anderes Übel ausgemacht: Paintball-Spieler, die sich in leer stehenden Industriehallen mit Farbmunition beschießen. Geht der Vorschlag der Innenexperten von SPD und Union noch im Mai durchs Parlament, was wahrscheinlich ist, wird Paintball künftig verboten sein. Wer es dennoch spielt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss bis zu 5000 Euro Strafe zahlen.

Bloß kein blinder Aktionismus – das war die einhellige Meinung der Innenpolitiker aller Parteien nach der Bluttat von Winnenden. Doch genau das ist es jetzt geworden. Mit dem Paintball-Verbot setzt die Große Koalition auf sinnlose Symbolpolitik.

Denn Paintball, von dem SPD-Mann Wiefelspütz behauptet, es sei sittenwidrig, ist nichts anderes als eine moderne Variante des uralten "Räuber und Gendarm". Dass sich Menschen in solchen Spielen messen, ist natürlicher als jeder Top-Model-Wettbewerb. Wenn eine Gesellschaft Spiele wie Paintball toleriert, spricht das nicht für ihre angebliche Kriegslüsternheit, sondern nur dafür, dass sie es geschafft hat, den urmenschlichen Drang, sich mit anderen zu messen, in geregelte und ungefährliche Bahnen zu lenken. Fechten und Boxen sind nichts anderes.

Paintball wird gespielt von Anwälten und Ärzten, von Bauarbeitern und Bankern. Gern werden die Hallen im Rahmen von Managerseminaren gebucht, um die Teamfähigkeit des Führungspersonals zu trainieren. Entscheidend ist aber: Kein Jugendlicher kann durch das Spiel zu einem Amoklauf animiert werden, denn erlaubt ist Paintball in Deutschland erst von einem Alter von 18 Jahren an.

Nicht zu Unrecht sehen sich die rund 20.000 Paintball-Spieler in Deutschland jetzt als Bauernopfer einer Politik, die nach dem Amoklauf Ergebnisse vorweisen muss. Denn ursächlich dafür, dass die Schießerei mit Farbkügelchen bald verboten sein wird, ist weniger die Aggressivität des Spiels als vielmehr die der Schützenlobby.

Sehr erfolgreich hat sie in den vergangenen Wochen Einfluss auf die Politik genommen, Parlamentarier und Medien mit Briefen und Mails bombardiert, vor einem Generalverdacht gewarnt und jede noch so schwache Einschränkung des Waffenrechts als unverhältnismäßig abgelehnt. Allein der Plan, Waffen künftig mit biometrischen Sperren zu sichern, wurde von den Schützen akzeptiert – wohl auch deshalb, weil die Technik noch weit von einer Serienreife entfernt ist.

Das geplante Paintball-Verbot sagt also viel aus über den Einfluss der Waffen- und Schützenlobby auf den Bundestag. Nur wenige Monate vor der Bundestagswahl will es sich keine Partei, egal ob links oder rechts, mit den wahlberechtigten Waffenträgern verscherzen. Sie stellen rund 10 Prozent der 60 Millionen Wahlberechtigten und können eine knappe Wahl damit durchaus entscheiden.

Wenngleich bislang noch jeder tödliche Amoklauf in Deutschland mit einer großkalibrigen Schusswaffe verübt wurde, konnten sich die Verehrer dieser todbringenden Technik sehr erfolgreich des Generalverdachts erwehren. Der wird stattdessen den Paintball-Spielern entgegengebracht. Nicht weniger sinnfrei wäre es gewesen, Wasserpistolen und Faschingsknarren einzukassieren. Sicher ist nach dem Paintball-Verbot nur eines: Kein einziger Amoklauf wird dadurch verhindert werden.

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