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"Nürnberger Nachrichten" und das Waffenrecht


SWAT

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http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=10...kat=3&man=3

Kommentar:

Löchriges Waffenrecht

Die jetzigen Regelungen müssen verschärft werden

Die Antworten kommen reflexhaft, besonders von Schützen, Jägern und aus der Union: Das Waffenrecht wurde gerade erst verschärft, nach dem Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten soll allenfalls das eine oder andere Detail geprüft werden. Mit welchem Ergebnis, bleibt dabei völlig offen.

Diese Position ist mindestens leichtfertig, wahrscheinlich sogar verantwortungslos. Denn die Überwachung der Vorgaben für den Umgang mit Pistolen oder Gewehren ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Ein Beispiel: Wenn einem Mitglied im Schützenverein erst einmal der Besitz von Waffen erlaubt wurde, muss er zwar einen sicheren Waffenschrank besitzen. Geprüft wird das mal durch Vorlage der Rechnung, mal durch ein Foto - oder auch gar nicht. Nach dem Einbau einer - relativ ungefährlichen - Heizung im Reihenhaus dagegen kommt der Schlotfeger und kontrolliert, ob sie den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Das wiederholt sich mindestens alle zwei Jahre, und der Kaminkehrer kann sich im Extremfall mit Hilfe der Polizei Zugang verschaffen. Vergleichbare Kontrollen, gar unangemeldet, unterbleiben aber bei Schützen.

Jugendliche mit großem Kaliber

Es sei ausdrücklich gesagt: Die übergroße Mehrheit der Mitglieder in Schützenvereinen verhält sich korrekt, die Arbeit mit Jugendlichen in vielen Orten verdient Anerkennung. Aber müssen denn 17-Jährige - wie der Amokläufer von Winnenden - am Schießstand eines Vereins gleich mit großkalibrigen Waffen trainieren dürfen? Das ist eine wichtige Frage, denn: Eine Beretta, wie Tim K. sie benutzte, ist nach Aussage von Experten nur schwer zu handhaben. Mit anderen Worten: Ohne die auf diese Weise erworbene Routine hätte die Bluttat wohl nicht so viele Opfer gefordert. Es sollte eigentlich vollkommen ausreichen, wenn Jugendliche unter 18 Jahren lediglich mit Luftgewehren oder -pistolen schießen. Und auch im Erwachsenenalter ist zu bezweifeln, ob es für den Sport überhaupt großkalibrige Waffen braucht. Kleinkaliber tun es sehr wahrscheinlich auch - und richten, wenn sie missbraucht werden, weniger Schaden an.

Über drei Dutzend Tote

Winnenden ist beileibe kein Einzelfall: Bereits viermal vorher begingen junge Männer mit Waffen Bluttaten, die ihre Väter oder sie selbst als Schützen besitzen durften: In Bad Reichenhall, in Erfurt, in Coburg und in Emsdetten. Seit 1999 kamen auf diese Weise über drei Dutzend meist sehr junge Menschen ums Leben.

Das belegt, dass die Aufbewahrung von Waffen und Munition zu Hause nicht mit der nötigen hohen Zuverlässigkeit funktioniert. Offensichtlich sind Väter entweder unvorstellbar leichtsinnig - wie im Fall von Tim K. - oder unterschätzen die Findigkeit ihrer Söhne, die viel schneller als angenommen herausfinden, wo der Schlüssel zum geheimnisvollen Waffenschrank liegt. Warum ist es deshalb überhaupt erlaubt, Munition in Privaträumen aufzubewahren? Warum kann sie nicht im Schützenheim sicher gelagert und dort allein für Übungszwecke ausgegeben werden? Der Schießsport würde durch solch eine Vorgabe gewiss nicht unzumutbar beeinträchtigt.

Leider wehrt sich die Schützen- und Waffenlobby massiv gegen solche Einschränkungen, aus sachlich nicht nachvollziehbaren Gründen. Ihr Organisationsgrad ist so hoch, dass sich Politiker in einem Wahljahr kaum an ein solches Vorhaben trauen - die Grünen und einige SPD-Landesminister einmal ausgenommen.

Eltern der Opfer von Winnenden haben nach der Tat in einem offenen Brief maßvolle und sehr vernünftige Forderungen gestellt. Traurig ist, dass das Schreiben möglicherweise wirkungslos bleibt.

Dieter Schwab

14.4.2009

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SWAT

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